Vom Antiquariat zur Fondation Beyeler

Es war 1952, als Ernst Beyeler und seine Frau Hildy ihr Kunst- und Buchantiquariat an der Basler Bäumleingasse 9 zur «Galerie Beyeler» umbenannten und damit den Grundstein zu einer einzigartigen Karriere legten. Diese führte 1982 zur Gründung der Stiftung Beyeler und gipfelte 1997 in der Eröffnung der Fondation Beyeler, die heute zu den wichtigsten und schönsten Kunstmuseen der Welt zählt.

Die Anfänge im Kunst- und Buchantiquariat

Im Leben von Ernst und Hildy Beyeler weist anfangs nichts auf die herausragende Karriere als Kunsthändler hin. Eher zufällig landete Ernst Beyeler als Student bei Oskar Schloss und dessen Kunst- und Buchantiquariat «La Librairie du Château d’Art» an der Bäumleingasse 9 in Basel. Oskar Schloss gehörte zu den Pionieren von Verlegern buddhistischer Texte. Noch rechtzeitig konnte er aus Nazi-Deutschland in die Schweiz fliehen, wo er – um sein gesamtes Vermögen beraubt – seine alten Tage mit einem kleinen Buchantiquariat zu bestreiten wusste. Für Ernst Beyeler waren diese Lehrjahre prägend, denn Oskar Schloss führte seine Angestellten bei abendlichen Gesprächen in Literatur, Philosophie und Kunst ein.

Nach dem überraschenden Tod seines Arbeitgebers konnte Ernst Beyeler 1945 das verschuldete Geschäft mit einer finanziellen Starthilfe seiner zukünftigen Frau Hildy Kunz übernehmen und weiterführen. Die alten Bücher und der Kräfte bindende Handel damit waren auf Dauer jedoch nicht Sache des jungen Beyeler. So erstaunt nicht, dass grafische Blätter, wie etwa Lithografien von Honoré Daumier, Henri de Toulouse-Lautrec oder japanische Farbholzschnitte, immer mehr in den Vordergrund rückten. 1947 wurde dem übernommenen Geschäftsnamen «Ernst Beyeler» beigefügt und 1952 erfolgte die Namensänderung zur «Galerie Beyeler». Der Grundstein zu einer einzigartigen Karriere war gelegt. Aus jenen antiquarischen Anfangsjahren ist aber eines geblieben: die Freude an schön gestalteten Katalogen.

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Die Galerie Beyeler setzte Massstäbe

Beeindruckend war, mit welcher Konsequenz das Geschäft ausgebaut wurde. Anfänglich, und sicher auch unter dem Eindruck des Kunsthistorikers und Museumsmanns Georg Schmidt, war die Galerie Beyeler klar auf deutsche Kunst ausgerichtet. Die wichtigsten Maler des Expressionissmus, aber auch Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Alexej von Jawlensky waren bei Beyeler gut vertreten, ergänzt durch französische Meistergrafik des 19. und 20. Jahrhunderts. Auch zeitgenössische und lokale, zum Teil befreundete Künstler, gehörten von Beginn an zum Programm.

1952 und 1953 folgten mit «Bilder des 20. Jahrhunderts» und «Tableaux français» erste, noch kleine Kataloghefte, die ganz in der Tradition grafischer Bestandeskataloge standen. Die Auswahl sowie die künstlerische Qualität setzten einen Massstab, der keine Kompromisse duldete. Kühn wollte man gleich in der obersten Liga mitspielen und folgte gezielt den eigenen Überzeugungen. Kunst sollte Bestand haben, sollte immer auf das Neue begeistern, musste sich auch über einen längeren Zeitraum bewähren. Eine Vorliebe für das nicht allzu Gängige oder leicht Gefällige, für schwierige Bilder war schon früh zu erkennen.

Die 1950er-Jahre waren durch den zielstrebigen Ausbau der Kunsthandlung geprägt, wobei französische Malerei immer mehr den Ton angab. Der Handel mit Kunstwerken basierte auf einer einfachen Faustregel: Für jedes verkaufte Werk, werden zwei neue angekauft. Ernst Beyeler begann vermehrt zu reisen. München, Stuttgart, Köln, und Paris waren seine wichtigsten Destinationen. Die Londoner Auktionen wurden mit steigender Regelmässigkeit besucht. Hildy Beyeler wachte in Basel über die Finanzen und führte den kleinen Mitarbeiterstab. Gegen Ende der 1950er-Jahre war die Adresse an der Bäumleingasse längst kein Geheimtipp mehr. Neben der lokalen Kundschaft machten immer mehr Amerikaner von Paris aus einen Abstecher zu den vielversprechenden Sommerausstellungen in der Galerie. Insbesondere die Katalogreihe «Maîtres de l’art moderne (1955–1958)» legt darüber Zeugnis ab.

Der Kunsthändler wurde Museumsmann

Nordamerika wurde zum erweiterten Geschäftsgebiet und Ernst Beyeler begegnete G. David Thompson aus Pittsburgh, der zuerst als Kunde, später als Verkäufer seiner legendären Sammlung moderner Kunst auftrat. Dieser galt als notorisch unberechenbarer Sammler und genoss in der Kunstszene grosse Aufmerksamkeit. Der Respekt der namhaften New Yorker Galerien war Ernst Beyeler deshalb sicher. Mit dem Verkauf von ganzen Werkblöcken aus der Thompson-Sammlung an Museen machte sich Ernst Beyeler einen Namen, dessen Prestige fortan sämtliche Türen öffnen sollte. Grosse Beachtung fand die Platzierung von Klee-Werken in Düsseldorf oder der Giacometti-Skulpturen in die eigens dafür gegründete Giacometti-Stiftung in Zürich. Lange bevor sich eine eigene Sammlung abzuzeichnen begann, trat somit eine weitere Facette des Kunsthändlers Beyeler als Museumsmann hervor.
Ernst Beyeler wurde zu einem Freund der Museen, denen er viele Ankäufe vermittelte. Später regte er ganze Ausstellungen an und unterstützte diese tatkräftig.

Doch all dieser Ruhm liess ihn die bescheidenen Anfänge nie vergessen. Das Wichtigste war und blieb die fordernde Qualität eines Kunstwerks. Diese Liebe teilte er grosszügig mit seinen Kunden, Besuchern und später mit seinen Museumsmitarbeitern. Dabei blieb der Blick auf das Wesentliche, auf die Natur, das innere Gleichgewicht, auf politische und ökologische Aspekte nie verstellt. Alles Laute und Umtriebige sucht man vergebens in den Räumen an der Bäumleingasse, die in ihrer mittelalterlichen Bescheidenheit, der Kunst immer den Vortritt liessen.

Stiftungsgründung und Bau der Fondation Beyeler

Während fünfzig Jahren trugen Ernst und Hildy Beyeler parallel zu ihrer erfolgreichen Galeristentätigkeit ausgesuchte Werke der klassischen Moderne zusammen. 1982 überführten sie die Sammlung in eine Stiftung und 1989 wurde sie erstmals im Centro de Arte Reina Sofía in Madrid als Ganzes der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Sammlung erlangte internationale Beachtung und wurde in der Folge vom Sammlerehepaar mit grosser Aufmerksamkeit ergänzt.

Mit der Stiftung war auch die Idee geboren, ein eigenes Museum zu bauen. Ernst Beyeler suchte einen geeigneten Ort und fand ihn in seinem Heimatort Riehen: Das Gelände mit der Villa Berower bot den gewünschten Bezug zur Natur und war wie geschaffen für einen Museumsbau, der Architektur, Kunst und Natur auf harmonische Art und verbinden sollte. Beyeler beauftragte Renzo Piano ohne Wettbewerb für den Bau der Fondation Beyeler, die schliesslich am 18. Oktober 1997 eröffnet wurde.

Bis 2003 war Ernst Beyeler selbst Direktor der Fondation Beyeler. 2003 übernahm Christoph Vitali die Leitung, 2008 Sam Keller, der bis heute das Museum leitet. Ernst Beyeler verstarb 2010, zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau Hildy.