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6. August – 7. Oktober 2006

Das Aufeinandertreffen ausgewählter Werke der beiden Künstlergiganten Rodin und Picasso in der Fondation Beyeler zeigt in faszinierender Weise, wie sehr die Klassische Moderne, die doch eigentlich den Anspruch formulierte, sich von Traditionen loszusagen, dem uralten Wunsch verpflichtet gewesen ist, in der Kunst den Kern des Lebens und der Schönheit, die Schöpfung an sich, darzustellen.

Rodin war noch sehr der überkommenen Vorstellung vom Künstler als genialem Demiurg verpflichtet. Sein im Laufe seines Lebens angelegtes Repertoire von in Gips und Ton gearbeiteten Körperformen kombinierte er immer wieder zu neuen, ungeheuer lebendig wirkenden Figuren und Figurfragmenten, deren Vollendung und Weiterentwicklung er bewusst der Phantasie des Betrachters überliess.
Rodins unstillbares Verlangen, sich mit dem Ideal des weiblichen Schosses als „origine du monde“ auseinanderzusetzen und dieses Geheimnis zu ergründen, fand Ausdruck in seinen gezeichneten und getuschten Frauenbildern, unerreichten Meisterwerken der Aquarellmalerei.

Von Picasso stammt der Ausspruch: „Kunst ist niemals keusch“. Auch für ihn war Kunst mit Eros gleichzusetzen. Er scheint als Ursprung der Welt den Liebesakt als solchen gesehen zu haben, den er in vielen seiner Werke ebenso zärtlich wie rüde dargestellt hat. Für Picasso waren Inspiration und Zeugung eins.

Oft hat Picasso in seine Werke eine Art reflektierendes Element, einen Kommentator eingebaut, nämlich den Beobachter, durch den Inspiration und Zeugung und damit Kunst überhaupt erst als solche erkannt wird. Oft sind es die Gesichter, die sich selbst anzublicken scheinen, oftmals nur ein Auge im Bild, manchmal sind es karikierte Personen, die Liebespaaren zuschauen: Immer aber ist es der „Voyeur – Créateur“, der Beobachter innerhalb des Bildes aber auch ausserhalb als Betrachter, der durch das erkennende Sehen das Kunstwerk erschafft.

Katalog «EROS - Rodin und Picasso»

Der Katalog zur Ausstellung Eros, Rodin und Picasso vereinigt zwei Künstlergenerationen in einem Thema. Rodin gilt mit seinem plastischen Schaffen als Wegbegleiter der Moderne. Er hat bewusst mit Regeln gebrochen, um Neues zu erschaffen. Picasso gehört bereits der nächsten Künstlergeneration an. Welche Rolle spielt Eros in ihrem Schaffe? Welche Sichtweisen können wir heute darin erkennen? Erotische Aquarelle und Plastiken von Rodin sowie ein umfassendes Ensemble an Werken von Picasso geben Einblick in ein reizvolles Thema.

Essays von Hélène Pinet, Christina Buley-Uribe sowie vom Kurator der Fondation Beyeler Ulf Küster bieten eine fundierte Grundlage zur Erkundung des Eros bei Rodin und Picasso

Link zum Katalog