Mondrian+Malewitsch – In der Mitte der Sammlung

20.11.2003–25.1.2004

Zur Jahreswende zeigt die Fondation Beyeler, soweit möglich, wieder ihre ganze Sammlung - sämtliche Neuzugänge seit der Eröffnung 1997 mit eingeschlossen - in einer völlig neuen Hängung. Nicht die gewohnt chronologische Aufreihung nach Stilgruppen bestimmt die Präsentation, sondern vielmehr die Abfolge von thematischen Einheiten: «Figur/Körper», «Bildnis», «Interieur», «Stillleben», «Natur», «Abstraktion» und «Landschaft». Dabei trifft der Besucher auf überraschende Begegnungen, die ihm eine ganz neue Wahrnehmung der Sammlung ermöglichen.

In die Mitte dieser Sammlungspräsentation stellen wir zudem 56 Arbeiten zweier Pioniere der geometrischen Abstraktion: Der eine ist Piet Mondrian, dessen hiesige Werkgruppe durch Leihgaben ergänzt wird; der andere ist Kasimir Malewitsch, der Erfinder des berühmten »Schwarzen Quadrates« des russischen Suprematismus. Er war bei uns noch nie zu Gast und ist hierzulande auch sonst kaum gegenwärtig. Die Ausstellung präsentiert die wesentlichen Entwicklungsschritte der beiden grossen Neuerer. Beide kamen sie nach ihrer Prägung durch den Kubismus zu ganz eigenen Visionen einer rein abstrakten Kunst. Mit Mondrian - dem intuitiven Meister von Asymmetrie und rechtem Winkel - und Malewitsch - dem Mystiker des Bildes jenseits des Bildes - vereinigt die Fondation die wohl radikalsten Versuche der Moderne, das Bild als etwas Absolutes zu begreifen.

Werke

Biographien

Piet Mondrian

7.3.1872 (Amersfoort, Niederlande) - 1.2.1944 (New York)

Nach einem nicht unesoterischen Frühwerk wird Mondrian ab 1912 in Paris vom (noch gegenständlichen!) Kubismus auf die Spur der Abstraktion gesetzt, die er 1916 erreicht. Ab 1920 »neoplastizistische« Phase: Aufgrund der Grundgesetze Asymmetrie, rechter Winkel, Verwendung der Primärfarben plus weiss und schwarz wird im Bild eine Balance angestrebt, die diejenige des Kosmos wiedergibt. Mondrians Werk ist von enormer Bedeutung für die Moderne, wobei es zumeist - um seine inhaltlichen Dimension erleichtert - auf rein formaler Ebene rezipiert wird.

Kasimir Malewitsch

23.2.1878 (Kiew) - 15.5.1935 (Leningrad)

In der Ukraine geboren, ist der im Westen lange verkannte Malewitsch bald in Moskau, wo er 1905 auf die Barrikaden steigt. Ab 1907 zur Avantgarde gehörig, wird er 1912-13 von zuerst neoprimitivistischen, dann kubofuturistischen Bewegungen erfasst. Im Jahr 1915 Befreiung zur radikalen Einfachheit des suprematistischen Bildes (»Schwarzes Quadrat«). Die folgenden Jahre sind von der Wandlung der Revolution zum totalitären Staat bestimmt und bringen u.a. theoretische Anstrengungen, die Beschäftigung mit utopischen Architekturmodellen - und schliesslich die Rückkehr des in Ungnade Gefallenen zur Gegenständlichkeit.