Henri Rousseau

Schonende Trockenreinigung

Le lion, ayant faim, se jette sur l’antilope (1898/1905) ist eines der Hauptwerke der Sammlung Beyeler und eines der wichtigsten und grössten Gemälde von Henri Rousseau. Nach etwas über einem Jahr konnte die Restaurierung des Gemäldes abgeschlossen werden. Ziel war es, das Werk ästhetisch zu optimieren. Dazu musste die verschmutzte Oberfläche mit synthetischen Schwämmen trockengereinigt werden. Überraschend waren Erkenntnisse zur Maltechnik Rousseaus sowie zu Übermalungen, die vom Künstler selbst stammen könnten.

Henri Rousseau (1844–1910) zählt zu den eigenwilligsten Künstlern des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als Autodidakt wurde er vom akademischen Kunstbetrieb, von den Kritikern und dem Publikum zunächst in keiner Weise ernst genommen. Erst im 20. Jahrhundert, insbesondere im Kreis der Avantgarde, fanden seine Bilder Beachtung. Den entscheidenden Durchbruch schaffte er 1905 im prestigeträchtigen Pariser Herbstsalon mit dem grossformatigen Dschungelbild Le lion, ayant faim, se jette sur l‘antilope, das heute zu den Hauptwerken der Sammlung Beyeler gehört.

Die frühesten Gemälde des Beamten der Pariser Zollbehörde sind aus dem Jahr 1877 bekannt. 1885 gibt er den Dienst beim Zoll auf, um sich ganz der Malerei zuwenden zu können. Seit 1886 ist er mit Arbeiten im Salon des Indépendants vertreten. Freundschaft mit dem Dichter Alfred Jarry. Bekanntschaft mit Gauguin, Redon, Seurat, Pissarro. Seit 1891 Bilder exotisch-fantastischer Motive. 1906 Bekanntschaft mit Delaunay, Picasso und der Gruppe um Apollinaire. Im folgenden Jahr veranstaltet Picasso ein Bankett zu seinen Ehren.

Der Zustand der Malschicht von Le Lyon, ayant faim, se jette sur l’antilope ist zwar sehr gut, aber sie wurde durch verschiedene Schmutzablagerungen und kleine Schäden visuell etwas beeinträchtigt. Aufwendige Recherchen waren unabdingbar, um ein geeignetes Restaurierungskonzept zu erstellen. Ausserdem sollte das Restaurierungsprojekt Rückschlüsse zu alten Übermalungen ermöglichen, die auch Besucher:innen ins Auge fielen und von denen unklar war, ob sie nachträglich angebracht wurden.

Um den Ursprung der Übermalungen zu klären, wurden frühe historische Abbildungen des Dschungelbilds zum Vergleich herangezogen. Zusätzliche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten schliesslich Ähnlichkeiten dieser Übermalungen mit der originalen Malschicht von Rousseau in Bezug auf Alter und Zusammensetzung. Daher muss davon ausgegangen werden, dass diese vom Künstler selbst stammen können (Abbildung 1). Sie wurden deshalb trotz der Farbveränderung nicht entfernt.

Weitere Projekte

Die Untersuchungen durch das Restaurierungsteam lieferten wichtige Erkenntnisse über den strukturellen Aufbau der Skulptur und über Eingriffe, die im Laufe der Zeit an ihr vorgenommen wurden.

In der Fondation Beyeler arbeitet seit 2001 ein engagiertes Team im Bereich Restaurierung daran, wichtige Kunstwerke der Sammlung langfristig zu bewahren, damit sie auch für künftige Generationen zugänglich bleiben.

Fernand Léger begegnet uns als wichtige künstlerische Position im Schaffen seiner Epoche. Innerhalb des von der Fondation BNP Paribas Suisse unterstützten Restaurierungsprojekts wurde das Werk umfassend untersucht und restauriert.