«Acanthes» – Henri Matisse

Nachvollzogene Arbeitsweise

Nach dreijähriger umfassender kunsthistorischer Erforschung, Konservierung und Restaurierung konnte die Fondation Beyeler im Jahr 2012 das grösste Restaurierungsprojekt ihrer Geschichte erfolgreich abschliessen: Die wissenschaftliche Erforschung von Henri Matisse’ Acanthes (1953, 311,7 x 351,8 cm), einem Hauptwerk aus der Serie seiner grossformatigen «Papier découpés». Kooperationspartner bei diesem Projekt war der internationale Kunstversicherer Nationale Suisse.

Eine der zentralen Erkenntnisse betrifft die Arbeitsweise von Henri Matisse. Etwa die Hälfte aller 220 Scherenschnitte wurde auf Leinwand montiert, um sie zu stabilisieren. Diese Arbeit wurde bei der Firma Lefebvre-Foinet vorgenommen. Das Verfahren hatte Matisse zu Lebzeiten entwickelt und genehmigt. Im Atelier wurden viele Arbeitsschritte nicht von Matisse selbst, sondern von Assistierenden unter der Aufsicht des Künstlers vorgenommen. Die Papiere wurden von ihnen bemalt und an der Wand befestigt. Das entscheidende Element im Arbeitsprozess lag jedoch in den Händen des Künstlers: das Schneiden und die Komposition

Auf den Formen und im Hintergrundpapier befinden sich unzählige Pinnlöcher als Teil des Arbeitsprozesses von Matisse. Sie stammen von der Befestigung der Formen an der Atelierwand. An ihnen lässt sich auch ablesen, dass sich das Werk von den blauen Formen ausgehend entwickelte, da dort besonders viele Pinnlöcher sind. Vor der Abnahme der Formen von der Wand wurden die herausstehenden Nägel durch Nadeln ersetzt. Mit diesen wurden die Formen auf dem Hintergrundpapier befestigt. Anschliessend wurde ein Transparentpapier über das Werk gelegt, um die Formen abzuzeichnen. Auch die Knicke in den grünen Formen sowie die gut sichtbaren Kohlelinien stammen aus dem Atelier und sind keine Beschädigungen, sondern Teil des Arbeitsprozesses und der Technik von Henri Matisse’.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Acanthes im Vergleich zu anderen grossformatigen «Papier découpés» von Henri Matisse gut bis sehr gut erhalten ist. Es waren nur minimale Stabilisierungen notwendig und wenige Schwachstellen mussten optimiert werden. Zugleich gilt der Aufbau mit dreizehn verschiedenen Schichten aus Papier, Klebstoffen, Leinwand und Keilrahmen als stabil. Auch im Darstellungsbereich stellten die Restaurator:innen keine grösseren Beschädigungen fest. Dies ist zum einen den verwendeten hochwertigen Materialien und der guten Arbeit der Montierung zu verdanken. Zum anderen wurde das Werk frühzeitig durch eine Verglasung geschützt.

In der Sammlung Beyeler ist Acanthes das grösste gerahmte und verglaste Bild. Ein Rahmen stabilisiert die Struktur, und durch eine spezielle Verglasung werden empfindliche Oberflächen vor Schmutz, mechanischen Beschädigungen und schädigenden Lichtstrahlungen geschützt. Die Neurahmung des Werks soll die nach Matisse «auf das Wesentliche reduzierte Form» akzentuieren. Während des intensiven Findungsprozesses arbeiteten die Restaurator:innen eng mit Rahmenspezialist:innen und den Kurator:innen der Fondation Beyeler zusammen.

Der französischer Maler, Bildhauer und Grafiker studiert in Paris u.a. an der Académie Julian und der École des Beaux-Arts. Um 1900 schafft er seine ersten Plastiken, zur gleichen Zeit beginnt er unter dem Einfluss Monets, Cézannes und Gauguins in leuchtenden reinen Farben zu malen. Im Salon d’Automne erringt er als führender Kopf der Fauves besondere Aufmerksamkeit. Nach einer Reise nach Algerien 1906 entstehen erste Holzschnitte und Lithografien.

Weitere Projekte

Andy Warhol ist eine zentrale Figur der amerikanischen Pop-Art und einer der prägendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Das Gemälde Joseph Beuys (1980) ist eines der wenigen, die der Künstler mit einer feinen Schicht aus Diamantstaub verzierte.

In der Fondation Beyeler arbeitet seit 2001 ein engagiertes Team im Bereich Restaurierung daran, wichtige Kunstwerke der Sammlung langfristig zu bewahren, damit sie auch für künftige Generationen zugänglich bleiben.

Claude Monet war einer der wichtigsten Künstler des 19. Jahrhundert und der führende Protagonist des Impressionismus. Eines der Seerosenbilder Nymphéas, wird nun mit Unterstützung der Fondation BNP Paribas Suisse konservatorisch untersucht und restauriert.