Fernand Léger

Fernand Léger: Dezente Restaurierung

Das Werk Le passage à niveau von Fernand Léger wurde innerhalb des von der Fondation BNP Paribas Suisse unterstützten Restaurierungsprojekts umfassend wissenschaftlich untersucht und dann restauriert. Es hat sich gezeigt, dass das Gemälde erfreulicherweise nicht grundsätzlich fragil ist, sondern dass die Materialwahl des Künstlers und Einwirkungen im Laufe der Zeit zum heutigen Zustand geführt haben.

Der französische Maler beschäftigt sich früh mit künstlerischen Studien u.a. an der Académie Julian in Paris. Anfang des neuen Jahrhunderts entstehen die ersten vom Impressionismus beeinflussten Gemälde. Von Cézanne beeindruckt, löst er sich vom Impressionismus und findet 1909 zu einem eigenen Stil. Er schliesst sich den Kubisten Picasso und Braque an, die sich alsbald zur Gruppe «Section d’Or» formieren.

Der Zustand des vor über hundert Jahren entstandenen Gemäldes Le passage à niveau war seit Eröffnung der Fondation Beyeler 1997 wegen seiner stark krakelierten Malschicht und brüchig erscheinenden Oberfläche als fragil eingestuft. Um allfällige Schäden zu vermeiden, wurde das Gemälde daher nie ausgeliehen. Innerhalb des von der Fondation BNP Paribas Suisse unterstützten Restaurierungsprojekts wurde das Werk umfassend untersucht und restauriert. Dabei konnten wichtige Informationen zu Material, Technik und Geschichte gewonnen werden.

Eine erfreuliche Erkenntnis ist, dass das Gemälde nicht grundsätzlich fragil ist, sondern dass die Materialwahl des Künstlers und Einwirkungen im Laufe der Zeit zum heutigen Zustand geführt haben. Fernand Léger benutzte zum Beispiel eine ungewöhnlich wasserempfindliche Grundierung, um die Leinwand zu präparieren. Ein sehr früher Kontakt mit Nässe hat das Werk daher stark beeinträchtigt (Abbildung 1). Ebenfalls haben vergangene, eingreifende Restaurierungen das heutige Erscheinungsbild hervorgerufen. Mithilfe von recherchierten historischen Abbildungen konnten Veränderungen am Werk nachvollzogen werden, wie etwa Abriebe und nicht-originale Übermalungen.

Historische Aufnahme

Abbildung 1: Diese historische Aufnahme war entscheidend für das Projekt: Der an der Unterkante zu sehende Wasserschaden (Pfeile) erklärte, warum und wo eingreifende Restaurierungen in der Vergangenheit ausgeführt wurden.

Restaurierungsmassnahmen

Anhand der gesammelten Erkenntnisse wurden geeignete Restaurierungsmassnahmen konzipiert, die allesamt diskret und mehrheitlich nur in Details erkennbar sind. Primär wurden schlecht integrierte Retuschen einer vergangenen Restaurierung entfernt (Abbildung 2). Ausserdem wurden stecknadelgrosse, gesamthaft über die Oberfläche verteilte Abriebe farblich angepasst. Dazu wurden reversible Retuschen ausschliesslich auf die bereits vorhandenen Schadensstellen punktuell gesetzt. Diese Massnahmen hatten zum Ziel, die eher uneinheitliche und aufgebrochene Erscheinung der Malschicht zu schliessen (Abbildung 3) und sie wieder derjenigen des Entstehungsjahrs 1912 anzunähern – ohne dabei die Geschichte und das Alter des Werkes zu verbergen.

Weitere Projekte

Die Untersuchungen durch das Restaurierungsteam lieferten wichtige Erkenntnisse über den strukturellen Aufbau der Skulptur und über Eingriffe, die im Laufe der Zeit an ihr vorgenommen wurden.

In der Fondation Beyeler arbeitet seit 2001 ein engagiertes Team im Bereich Restaurierung daran, wichtige Kunstwerke der Sammlung langfristig zu bewahren, damit sie auch für künftige Generationen zugänglich bleiben.

Nach umfassender kunsthistorischer Erforschung, Konservierung und Restaurierung konnte die Fondation Beyeler das grösste Restaurierungsprojekt ihrer Geschichte erfolgreich abschliessen: Die wissenschaftliche Erforschung von Henri Matisse’ Acanthes.