Besondere Berücksichtigung findet die amerikanische Dimension in Légers Œuvre: Der französische Künstler war mehrfach in den USA, zuletzt von 1940 bis 1945 im New Yorker Exil. Er war von dem riesigen Land, seiner Architektur, der Dynamik und Modernität beeindruckt, was auch in den herausragenden Werken dieser Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat.
Zugleich hat Léger auch stark auf die amerikanische Kunst nachgewirkt. Die Ausstellung geht diesem interessanten Phänomen erstmals nach und bezieht von Léger inspirierte amerikanische Künstler mit Hauptwerken mit ein – darunter Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Ellsworth Kelly. Léger kann so als Vater der Pop Art und Vorbild der zeitgenössischen Kunst neu entdeckt werden.
Kurator der Ausstellung ist Philippe Büttner, Fondation Beyeler.
Werke
Katalog «Fernand Léger. Paris - New York»
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, mit Essays von Christian Derouet, Brigitte Hedel-Samson, Yve-Alain Bois, Philippe Büttner, Raphaël Bouvier und Daniel Kramer, einem Interview mit Roy Lichtenstein von Katherine Jánszky Michaelsen sowie einer ausführlichen Biografie zu Fernand Léger von Nelly Maillard.
Ebenfalls enthalten sind Statements amerikanischer Künstler zu Léger, darunter eigens für diese Ausstellung verfasste von Ellsworth Kelly, James Rosenquist und Kenneth Noland. Der Band umfasst 208 Seiten mit 201 Abbildungen.
Biographie Fernand Léger
1881 Fernand Léger wird am 4. Februar in Argentan (Normandie) geboren.
1897-1899 Zweijährige Lehrzeit bei einem Architekten in Caen, arbeitet anschliessend als Architekturzeichner in Paris.
1903 Aufnahme an der Ecole des Arts décoratifs in Paris. Seine Bewerbung an der Ecole des Beaux-Arts wird abgelehnt.
1904/05 Erste Gemälde, darunter vom Impressionismus beeinflusste.
1907 Durch Paul Cézannes’ Werk stark beeindruckt. Begegnung mit Robert Delaunay.
1908 Zerstört den Grossteil seines bisherigen Werks.
1909 Atelier in der Künstlerkolonie »La Ruche« in Paris. Beginnt einen eigenen, kubistisch geprägten Stil zu entwickeln.
1911 Stellt im kubistischen Raum des Salon d’automne aus. Wird Mitglied der Künstlergruppe »Section d’or«.
1912 Die Galerie Kahnweiler zeigt eine erste Ausstellung von Werken Légers.
1913 Ausstellung von 15 Werken in der Galerie Berthe Weill in Paris. Abschluss eines Exklusivvertrags mit dem Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler. Bezug des Ateliers im Pariser Stadtviertel Montparnasse, das er bis an sein Lebensende behalten wird. Lernt Jeanne Lohy kennen, die er 1919 heiratet.
1914 Nach der Mobilisierung kommt Léger Ende August an die Front (Ardennen, Verdun). Die existenziellen Kriegserfahrungen prägen ihn nachhaltig. Es entstehen zahlreiche Zeichnungen.
1918 Mitte Jahr wird er vom Militär entlassen und kehrt nach vier Jahren zum ersten Mal wieder in seine Heimat zurück. Es entstehen neue »mechanische« Bilder.
1924 In Zusammenarbeit mit den Amerikanern Dudley Murphy und Man Ray dreht Léger den Experimentalfilm Ballet mécanique.
1925 Erste Einzelausstellung in New York, die zu einem Erfolg wird. Im selben Jahr entsteht für ein Gebäude von Le Corbusier Légers erstes Wandgemälde.
1931 Im September reist Léger auf Einladung von Sara und Gerald Murphy erstmals in die USA.
1933 Léger-Ausstellung im Kunsthaus Zürich.
1935 Zweite Reise nach Amerika. Er besucht seine Ausstellungen im Museum of Modern Art, New York und im Art Institute, Chicago.
1936 Anfang März eröffnet im MoMA Alfred Barr’s Ausstellung »Cubism and Abstract Art« mit fünf Bildern von Léger.
1938 Am 15. September bricht Léger zu seiner dritten Amerika-Reise auf. Anlass sind die Wandgemälde, die er für Nelson Rockefellers Appartement in New York ausführen kann.
1939 Entwurf eines Cinematic Mural für das Rockefeller Center in New York, das mit Wallace Harrison, dem Architekten von Rockefeller ausgeführt werden soll. Das Wandbild ist als Film gedacht, der sich im Einklang mit den Rolltreppen im Radio City-Gebäude bewegt. Das Projekt wird abgelehnt. Anfangs März Rückkehr nach Frankreich.
1940 Verlässt Frankreich und gelangt mit dem Schiff von Marseille über Lissabon in die USA. Exil in New York (1940-1945).
1941 Im Juni reist Léger im Überlandbus durch die Vereinigten Staaten. Vortragstätigkeit.
1942 Léger trennt die Farbe von der Zeichnung und beginnt mit von figuralen Motiven befreiten Farbfeldern zu experimentieren. Teilnahme an der Ausstellung »Artists in Exile« der Pierre Matisse Gallery, New York.
1943 Entstehung des Wandbildes der Plongeurs (Taucher) im Haus des Architekten Wallace K. Harrison auf Long Island. Einzelausstellung in der Galerie Dominion in Montreal. Den Sommer verbringt Léger wie in den beiden folgenden Jahren auf einer Farm in Rouses Point an der kanadischen Grenze im Staat New York.
1945 Ende Dezember Abreise nach Frankreich mit 57 in Amerika entstandenen Gemälden und 125 Arbeiten auf Papier. Léger wird Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs.
1946 Vom 12. April bis 11. Mai: Ausstellung »Fernand Léger, œuvres d’Amérique 1940-1945« in der Galerie Louis Carré. Nach seiner Rückkehr nach Paris malt er das Bild Adieu New York. Erhält den Auftrag, für die Fassade einer Kirche in Assy, Haute Savoie, ein Mosaik zu realisieren.
1948 Reist mit Paul Eluard und Le Corbusier zum Weltfriedenskongress der Intellektuellen in Wroclaw (Breslau). Die Académie Fernand Léger empfängt zahlreiche G.I.s und veranstaltet Vortragsreihen. Zu den Teilnehmern gehören u.a. Sam Francis und Kenneth Noland. Andere Künstler wie etwa Ellsworth Kelly fragen Léger um Rat.
1949 Beginnt sich mit Hilfe seines Freundes Roland Brice in dessen Atelier in Biot (Alpes Maritimes) mit Keramik zu beschäftigen.
1950 Léger bereist die Schweiz und hält Vorträge über Malerei und Architektur. Am 15. November wird er zum Officier de la Légion d’Honneur gekürt.
Am 1. Dezember stirbt Jeanne Léger.
1951 Léger-Ausstellung in der Kunsthalle Bern.
1952 Heirat mit Nadia Chodassewitch.
1955 Fernand Léger stirbt am 17. August in Gif-sur-Yvette (Île-de-France).