13

Der Blaue Reiter

4.9.2016–22.1.2017

Die Ausstellung widmet sich einem der faszinierendsten Kapitel in der Geschichte der Kunst, das unter dem Namen «Der Blaue Reiter» Berühmtheit erlangte und exemplarisch für einen zentralen Aspekt in der Entwicklung der modernen Kunst steht. Vor dem 1. Weltkrieg, zwischen 1908 und 1914, machte sich im liberalen kulturellen Klima Münchens eine internationale Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern daran, die Kunst grundlegend zu reformieren. Ihr Ziel war die Befreiung der Farbe vom Zwang, etwas darstellen zu müssen, die Befreiung der Linie von der Kontur und die der Fläche von der Illusion der Gegenständlichkeit. Es sollte nicht mehr um die Abbildung der sichtbaren Wirklichkeit gehen, sondern um die Verbildlichung geistiger Inhalte: ein Wendepunkt in der abendländischen Kunstauffassung, der Generationen von Malern prägte – bis heute. Die führenden Köpfe waren Wassily Kandinsky und Franz Marc, die sich Anfang des Jahres 1911 kennenlernten. Beide Künstler waren Revolutionäre, die, teilweise heftigen Anfeindungen ausgesetzt, unbeirrt ihre Ideen verfolgten. Kandinskys legendäre Bilder, die seinen Weg in die Abstraktion markieren, sind ebenso zu erleben wie die pantheistischen Tierdarstellungen Franz Marcs. Weitere Künstlerpersönlichkeiten, die mit Kandinsky und Marc in Verbindung standen und von denen Werke in der Ausstellung gezeigt werden, sind unter anderen Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und August Macke.

Audioguide

Erwachsene D, E, F

CHF 8.- / € 8.-

Art Club CHF 7.- / € 7.-

Dauer: 60 Min

Kinder D (bis 12 Jahre)

CHF 3.- / 3.- €

(kostenlos, beim Kauf eines Erwachsenen Audioguides)

Dauer: 40 Min

Beide erhältlich am Infodesk

im Museum

werke

Almanach «Der Blaue Reiter«

»Nun! Ich habe einen neuen Plan«, schrieb Wassily Kandinsky am 19. November 1911 an Franz Marc und meinte damit die Produktion eines Jahrbuchs mit Werken und Artikeln von verschiedenen Künstlern. Sofort wandten sich die beiden an Kollegen aller Kunstrichtungen, ersuchten Dichter, Komponisten und Kunsthistoriker um Beiträge und kontaktierten Sammlungen mit ozeanischer, asiatischer und afrikanischer Kunst. 1912 erschien schliesslich im Münchener Piper-Verlag Der Blaue Reiter, ein Almanach, in dem alle Kunstrichtungen, sogar Kinderzeichnungen, gleichwertig nebeneinandergestellt waren. Er wurde zunächst in drei Varianten publiziert: Es gab die »allgemeine Ausgabe«, die »Luxus-Ausgabe«, die zwei von Marc und Kandinsky selbst kolorierte und handsignierte Holzschnitte enthielt, sowie die »Museums-Ausgabe«, von der sie zehn Exemplare produzierten und der je eine Originalarbeit der beteiligten Künstler beigegeben wurde. Zur Titelfindung erklärte Kandinsky: »[…] beide liebten wir Blau, Marc – Pferde, ich – Reiter.« Die christlichen Volksheiligen Georg und Martin wurden von ihm in der Gestalt des Blauen Reiters, der Schlüsselfigur des Titelbildes, vereint. Holzschnitte erkor Kandinsky dabei zu einem favorisierten Mittel der Illustration: »In ihnen findet man die Spuren meiner Entwicklung vom ›Figurativen‹ zum ›Abstrakten‹.«

Dem Plan, den Blauen Reiter jährlich erscheinen zu lassen, bereitete der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende. Während Kandinsky Deutschland als feindlicher Ausländer verlassen musste und erst 1921 zurückkehrte, fiel Marc 1916 bei Verdun.

Über die Formfrage

Sowohl das Votivbild als auch die Initiale in Wassily Kandinskys Beitrag »Über die Formfrage« beziehen sich auf die Passage, in der Kandinsky das Positive, das Schaffende, das Gute beschreibt, für das er die Metapher »der weiße befruchtende Strahl« einsetzt. Mit dem blitzartigen »Z« beruft sich Hans Arp eindeutig auf den weissen Strahl im Votivbild, der von der Madonna zum Verunglückten führt, und stellt so eine ganz eigene Verbindung zwischen Bild- und Textebene her.

Der Blaue Reiter ist der Name des legendären Almanachs, der von Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgegeben wurde und 1912 in München erschien. Der Almanach sollte die Notwendigkeit eines Epochenumbruchs der Künste zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentieren.

Den Almanach ansehen (Online Bibliothek Leicester Arts and Museums Service) (öffnet in neuem Tab)

Erfahre mehr zum Deutschen Expressionismus (öffnet in neuem Tab)

Katalog "Kandinsky, Marc und der Blaue Reiter"

Wenige Jahre nur war München zu Beginn des 20. Jahrhunderts der »Hotspot« der künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Als wahrer Glücksfall für die Kunst erwies sich die Initiative des russischen Malers Wassily Kandinsky, gemeinsam mit Franz Marc die Redaktion des Almanachs Der Blaue Reiter zu gründen und eine Ausstellung gleichen Titels zu organisieren: ein programmatisches Unterfangen, das noch vor dem Ersten Weltkrieg die Moderne in Deutschland einläutete – und international hohe Wellen schlug. Die Namen der Protagonisten Franz Marc, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, August Macke und anderer klingen seither nach, die von ihnen initiierte Überführung der Malerei in eine vibrierende, transzendentale Farbigkeit und Abstraktion bildet ein wesentliches Kapitel der internationalen Kunstgeschichte. Die prächtig bebilderte Publikation widmet sich einem Thema, das eine damals revolutionäre Neubewertung der Künste in einem offenen Europa zeigt. (Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-4169-9)

DER BLAUE REITER‹ – ZEITTAFEL

1908

1909

1910

1911

1912

1913

1914

1916