29. April – 2. September 2018

Alberto Giacometti (1901 – 1966) und Francis Bacon (1909 – 1992) haben die Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt. In dieser Ausstellung werden beide Künstler einander gegenübergestellt. So unterschiedlich ihr Schaffen auf den ersten Blick erscheint, lassen sich doch erstaunliche Gemeinsamkeiten erkennen.

Für Bacon und Giacometti ist die menschliche Figur das wichtigste Motiv ihres künstlerischen Schaffens. Sie beschäftigen sich beide mit dem fragmentierten und deformierten Körper. Zudem widmen sie sich in beinahe obsessiver Weise in einer Vielzahl von Porträts der Darstellung menschlicher Individualität. Sowohl Bacon wie Giacometti bezeichneten sich als „Realisten“, jedoch steigern sie die Abstraktion der menschlichen Figur ins Extreme.

Giacometti und Bacon arbeiteten inmitten grosser Unordnung in ausserordentlich kleinen und überfüllten Ateliers. Diese beiden Zentren ihres Schaffens wurden eigens für die Ausstellung als multimediale Projektionen in Originalgrösse realisiert und machen das Arbeitsumfeld der Künstler erfahrbar. Die Ausstellung umfasst 100 Gemälde und Skulpturen aus bedeutenden Museen Europas und den USA sowie aus Privatsammlungen und wurde von der Fondation Beyeler in Kooperation mit der Fondation Giacometti, Paris organisiert. Aus dem von ihr verwalteten Nachlass stammen auch mehrheitlich die hier präsentierten Werke Giacomettis. Davon sind einige nur selten oder gar zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Kuratoren der Ausstellung sind Catherine Grenier, Michael Peppiatt und Ulf Küster.

#BeyelerBaconGiacometti

Saaltext

AUDIOGUIDE

Erwachsene D, E, F 
CHF / € 8.-
Art Club: CHF / € 7.-
Dauer: 45 Min 

Erhältlich am Infodesk
im Museum.
Hörbeispiel

Biografie: Francis Bacon

Francis Bacon wird am 28. Oktober 1909 als zweites von fünf Kindern in Dublin geboren.

Biografie: Alberto Giacometti

Alberto Giacometti wird am 10. Oktober 1901 in Borgonovo im Bergell als ältestes von vier Kindern in eine Künstlerfamilie geboren.

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360°

Spektakuläre Einblicke in die Ateliers der Künstler

Für Bacon und Giacometti waren ihre jeweils sehr kleinen und kargen Ateliers besondere Orte – Orte des Chaos, die grosse Kunst hervorbrachten. Einen faszinierenden Einblick in diesen Kosmos gewährt der Multimediaraum im letzten Saal, der eigens für die Ausstellung entwickelt wurde: Anhand historischer Fotografien werden die Ateliers der beiden Künstler rekonstruiert. Zwei raumfüllende Projektionen des Amsterdamer Kreativbüros «Part of a Bigger Plan» von Christian Borstlap vermitteln einen überraschenden Eindruck von den Ateliers, indem sie sie in Originalgrösse an den Wänden und am Boden erscheinen lassen.

Alberto Giacometti (1901–1966) bezog sein legendäres Pariser Atelier in der Rue Hippolyte-Maindron 1926 und arbeitete dort 40 Jahre lang bis kurz vor seinem Tod. Im Verlauf der etwa zweieinhalbminütigen Videoprojektion werden 37, aus verschiedenen Jahrzehnten stammende Fotografien von Giacomettis Atelier gezeigt. Aufgenommen wurden sie von berühmten Fotografen wie René Burri, Sabine Weiss, Robert Doisneau oder Ernst Scheidegger, die alle Giacometti an seinem Arbeitsort besuchten. Sie hielten dabei nicht nur seine Kunstwerke fest, sondern auch seine Modelle: Annette Giacometti, der japanische Philosophieprofessor Isaku Yanaihara, der Schriftsteller und Ethnologe Michel Leiris, aber auch Giacomettis Galerist Pierre Matisse sind in der Projektion zu sehen. Auf eine Ecke des Raums in den originalen Massen des Ateliers von 4,90 x 4,70 Metern projiziert, gewinnt der Besucher eine Vorstellung von der Bedeutung dieses – heute nicht mehr existierenden – Orts, der sowohl kreatives Zentrum als auch Anziehungspunkt für viele Persönlichkeiten war.

Francis Bacon (1909–1992) zog 1961 in die Reece Mews Nr. 7 im Londoner Stadtteil South Kensington, wo er sich sein Atelier über einem einstigen Pferdestall einrichtete. Diesen bescheidenen Raum, in den nur durch ein Dachfenster Tageslicht fiel, behielt der Künstler bis zu seinem Tod. Das überfüllte, für sein Chaos legendär gewordene Atelier war in mehreren Schichten mit Zeitungen, Büchern, zerknüllten und zerrissenen Fotografien, ausgeschnittenen Bildern und anderem Arbeitsmaterial bedeckt. Die scheinbar wahllos verstreuten Abbildungen lieferten Bacon zentrale Motive und dienten ihm als wichtige Inspirationsquellen für seine Gemälde. Die Videoprojektion zeigt die bemalten Wände und das herumliegende Material; die 4,80 x 8,90 Meter grosse Projektionsfläche entspricht dabei ebenfalls der Originalgrösse der realen Räumlichkeit. Der Film wurde unter Verwendung von 15 Aufnahmen des Fotografen Perry Ogden hergestellt, die das Atelier in seinem Originalzustand kurz nach dem Tod des Künstlers wiedergeben. Danach wurde es komplett abgebaut und in der Dublin City Gallery The Hugh Lane minutiös rekonstruiert, wo es bis heute besichtigt werden kann.

Den Projektionen sind die Stimmen Bacons und Giacomettis unterlegt, die über ihre Arbeit und ihre Ateliers sprechen. Giacomettis Tonspur stammt aus Archivaufnahmen von 1963, die Regisseur Jean-Marie Drot für seine Dokumentation Un homme parmi les hommes: Alberto Giacometti (1963) aufbereitet hat. Bacons Kommentare wurden einer BBC-Produktion von 1966 (Francis Bacon: Fragments of a Portrait) sowie einer Fernsehshow von 1985 des heutigen ITV London (The South Bank Show – Francis Bacon) entnommen.

Während Bacon nur sehr wenigen Leuten Zutritt zu seinem Atelier gewährte, empfing Giacometti unzählige Persönlichkeiten wie Jean Paul-Sartre, Michel Leiris oder Marlene Dietrich. Die Videoprojektionen machen die Atmosphäre in den Räumen und die Arbeitsweise der beiden Künstler unmittelbar erfahrbar und eröffnen so einen weiteren unerwarteten Blick auf ihr Schaffen. Beide Künstlerateliers können Sie auch auf ihrem Handy in einem 360-Grad-Film erleben und mit Freunden teilen – besuchen Sie: www.fondationbeyeler.ch/360

Die Ausstellung wurde organisiert von der Fondation Beyeler in Zusammenarbeit mit der Fondation Giacometti, Paris

Die Ausstellung «Bacon - Giacometti» wird grosszügig unterstützt durch:

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