Juni/Juli 2018

Mit der monumentalen Installation GaiaMotherTree des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto (1964) präsentiert die Fondation Beyeler im Zürcher Hauptbahnhof ein faszinierendes Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Die baumartige, farbenfrohe Skulptur, die aus handgeknüpften Baumwollbändern besteht und betreten werden kann, bildet einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der Meditation und wird von einem vielfältigen, öffentlichen Veranstaltungsprogramm begleitet.

Die Fondation Beyeler wird im Juni/Juli 2018 eine Installation des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto (geb. 1964 in Rio de Janeiro) im Zürcher Hauptbahnhof präsentieren. Das monumentale Werk GaiaMotherTree, eine aus bunten Baumwollbändern handgeknüpfte, baumartige und farbenfrohe Skulptur wird sich bis hinauf zur 20 Meter hohen Decke der Bahnhofshalle ausbreiten. Das Werk kann betreten werden, es ist ein Ort der Begegnung, der Interaktion und der Meditation. Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm für Erwachsene und Kinder mit Musik, Workshops, Führungen und Vorträgen findet im Inneren statt.

Ernesto Neto gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern Lateinamerikas. Seinem Schaffen, das sowohl Skulpturen als auch Installationen und multimediale Werke umfasst, wurde nicht zuletzt aufgrund mehrerer Teilnahmen an der Biennale von Venedig und von Ausstellungen in renommierten Museen weltweit grosse Anerkennung zuteil. Seine Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Museum of Modern Art und des Solomon R. Guggenheim Museum in New York, der Tate, London, des Centre Pompidou, Paris, und des Hara Museum, Tokio.

Netos Kunst ist sowohl vom brasilianischen Neokonkretismus der 1960er-Jahre als auch von Minimal Art, Konzeptkunst und Arte Povera geprägt. Spiritualität, Humanismus und Ökologie sind massgebliche Aspekte in seiner Arbeit. Seit den 1990er-Jahren zeichnen sich seine Werke durch untypische Materialien und Techniken aus. Charakteristisch für seine Skulpturen und Installationen sind biomorphe Formen und organische Materialien. Häufig spielen Transparenz und Sinnlichkeit eine wichtige Rolle. Die Werke können berührt, betreten, durchquert oder in Bewegung versetzt werden, auch appellieren sie oft an den Geruchssinn. Der Besucher ist eingeladen, sich auf seine Wahrnehmung zu konzentrieren und mit seinem Umfeld und dem Werk zu interagieren.

In den letzten Jahren hat sich Neto mit einer neuen Werkserie beschäftigt, die er in Kooperation mit den Huni Kuin realisiert, einer indigenen Bevölkerungsgruppe, die im brasilianischen Amazonasgebiet nahe der peruanischen Grenze lebt. Ihre Kultur und Bräuche, ihre Sprache, ihr Wissen, ihr Handwerk, ihre Ästhetik, Werte, Weltanschauung und spirituelle Verbindung zur Natur haben Netos Auffassung von der Kunst verändert und sind wesentliche Bestandteile davon geworden.

GaiaMotherTree wurde vollständig von Hand gefertigt. Stoffbänder aus Baumwolle wurden mit Naturfarben gefärbt, anschliessend in einer Fingerhäkeltechnik geknüpft und zu einer gigantischen durchsichtigen Skulptur zusammengeknotet. Die Gestalt des Werks erinnert an die Form eines Baums, dessen Krone die Decke der Bahnhofshalle bedecken wird. An der Wurzel des Baums befindet sich ein grosser begehbarer Raum, in dem die Besucher verweilen und sich auf kreisförmig angeordneten Sitzgelegenheiten niederlassen können. Herabhängende tropfenförmige Elemente sind mit duftenden Gewürzen und getrockneten Blättern gefüllt.