8. Juni – 17. Juli 2009

Die Fondation Beyeler präsentiert ein Ausstellungsprojekt mit dem britischen Künstler Marc Quinn (geb. 1964). Erstmals gemeinsam zu sehen sind alle vier Selbstporträts mit dem Titel Self

Marc Quinns Œuvre umfasst hauptsächlich figurative Werke. Die Natur, die Evolution, die Beziehungen zwischen Leben und Tod sowie zwischen Kunst und Wissenschaft stehen im Vordergrund seines Schaffens. Hinsichtlich der Materialwahl für seine Werke erweist sich der Künstler als geradezu wagemutig und innovativ. Quinn arbeitet nicht nur mit angestammten Materialien wie Bronze, Marmor oder Wachs, sondern auch mit künstlichen oder menschlichen Geweben, beispielsweise Blut oder gar DNA. Neben dem Werkstoff spielt aber auch die Grösse der Arbeiten eine bedeutende Rolle im Kunstverständnis Marc Quinns.

Mit der ersten Fassung von Self, die unter anderem 1993 in der Saatchi Gallery ausgestellt war, hat sich Marc Quinn als eine der Gründungsfiguren der »Young British Artists«-Bewegung einen Namen gemacht. Die Serie thematisiert die Bedeutung des Lebens, aber auch dessen Vergänglichkeit wie auch die Sehnsucht nach einem Fortleben in der Ewigkeit. Bei den Skulpturen handelt es sich um Abgüsse des Kopfes des Künstlers, bestehend aus jeweils rund fünf Litern eigenen Blutes, welches durch Tiefkühlen bei minus 18 Grad Celsius im verfestigten Zustand gehalten wird. Self verkörpert in seiner Abbildlichkeit die unmittelbarste Form künstlerischer Selbstentäusserung, wie der Künstler feststellt: »It depends on my life to be created – it’s made from the substance of me; and so I think of it as the purest form of sculpture to sculpt your own body, from your own body.« Ein wesentlicher Aspekt des Werks ist, dass das Fortbestehen von Self von äusseren Umständen, und zwar von der ununterbrochenen Stromzufuhr, abhängig ist, da sich die Kopfform bei Ausfall der Kühlvorrichtung auflösen würde. So wird Self zum Sinnbild für die Abhängigkeit des Menschen im Allgemeinen. Auch in anderen Arbeiten greift der Künstler dieses Wechselspiel von Kontrolle und Kontrollverlust immer wieder aufs Neue auf.

Marc Quinn studierte Kunstgeschichte an der Cambridge University; seit 1988 stellt er in Einzel- und Gruppenausstellungen aus, unter anderem waren seine Arbeiten in renommierten Museen wie der Tate Gallery, London, der Fondazione Prada, Mailand, und dem MACRO in Rom zu sehen. 2001 wurde der Künstler mit dem Charles Wollaston Award der Royal Academy of Arts ausgezeichnet, 2004 erhielt er den Auftrag, eine Skulptur für die Fourth Plinth auf dem Londoner Trafalgar Square zu entwerfen. Zurzeit lebt und arbeitet er in London.

Katalog zur Ausstellung «Marc Quinn - Selfs 1991-2006»

Skulptur aus eigenem Blut

Der Englische Künstler Marc Quinn gehört zu den Young British Artists, obwohl sein Werk nicht an der Freeze-Ausstellung von 1988 zu sehen war, die sein ehemaliger Zimmergenosse Damien Hirst kuratiert hatte. Er wurde erst in den frühen 1990er Jahren bekannt, als er von Jay Jopling repräsentiert wurde und 1993 an der Young British Artists II in der Saatchi Gallery ausstellen konnte. Ein Meilenstein im Werk von Quinn ist Selfs (1991), eine Skulptur, die seinen eigenen Kopf aus seinem gefrorenem Blut formt. Seit 1991 wird die Skulptur konstant bei -18°C gekühlt.

Es gibt insgesamt vier Skulpturen aus der Reihe Selfs, die im Jahre 2009 in der Fondation Beyeler zum ersten Mal alle zusammen gezeigt worden sind. Der Katalog enthält auch eine Auswahl von Zeichnungen und Bildern, die Fragen nach Identität und nach den Möglichkeiten der Porträtkunst aufwerfen. Ein Essay von Will Self und ein Interview mit dem Künstler von Tim Marlow ergründen die Idee, die hinter Selfs steckt.

Link zum Katalog