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19. März – 23. Juli 2006

Henri Matisse ist der Künstler der Stunde: Der grosse Pionier der Moderne, der in seinen Farb- und Formkompositionen die Möglichkeiten der Figuration und in gewisser Weise der Abstraktion bis an deren Grenzen ausschöpfte und zugleich darüber hinaus wies, ist bis in unsere Zeit ein ungeheuer einflussreicher Maler geblieben. Seinem Werk, das voller Brüche ist, dennoch aber als stetige Entwicklung zu verfolgen, widmet die Fondation Beyeler die erste umfassende, retrospektiv angelegte Ausstellung seit über 20 Jahren in der Schweiz.

Thema ist Matisse’ ebenso revolutionäre wie faszinierende Durchdringung, Neudefinition und Überwindung von dargestelltem Raum durch Figur und Farbe. Gezeigt werden ca. 160 Ge-mälde, Skulpturen, Zeichnungen und druckgrafische Arbeiten aus allen Schaffensperioden des Künstlers. Die Ausstellung beginnt mit den noch ganz dem 19. Jahrhundert verhafteten ruhigen Interieurs seiner frühen Jahre, leitet dann über zu den Farbexplosionen des Fauvis-mus und dessen Auswirkungen, findet danach zu den kargen, fast schockierenden abstrakten Formenbildern der Jahre während des Ersten Weltkrieges, von denen sich Matisse durch die malerischen und subtil-erotischen Odaliskengemälde seiner frühen Zeit in Nizza befreite. Darauf folgen die Bildreihen der dreissiger und vierziger Jahre, die immer mehr zu einem System von farbigen Zeichen werden und schliesslich in die grossartigen Scherenschnitte der Spätzeit münden.

Wieder einmal ist es gelungen, eine grosse Anzahl von Leihgaben aus amerikanischen und europäischen Museen in der Fondation Beyeler zu versammeln und zudem viele private Kunstsammler zu Leihgaben zu bewegen.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düs-seldorf. Für die Fondation Beyeler hat Christoph Vitali, unterstützt von Ulf Küster und Philippe Büttner, die Ausstellung kuratiert.

Biographie

Henri Matisse, 1869 - 1954

1869 Henri-Émile-Benoît Matisse wird am 31. Dezember in Le Cateau-Cambrésis geboren und wächst im nahen Bohain-en-Vermandois (Picardie) auf.

1887/88 Matisse zieht nach Paris und beginnt ein Jurastudium.

1891/92 Matisse gibt seine Anstellung als Jurist auf und widmet sich ganz der Malerei. Er schreibt sich an der Académie Julian in Paris ein. Nachdem Matisse die Aufnahmeprüfung der École des Beaux-Arts nicht besteht, beginnt er 1892 im Atelier von Gustave Moreau zu studieren.

1894/95 Geburt der Tochter Marguerite. Sie und ihre Mutter, Caroline Joblaud, werden Matisse oft Modell sitzen. 1895 wird Matisse an der École des Beaux-Arts in Paris angenommen.

1898-1900 Matisse heiratet Amélie Parayre. In den kommenden zwei Jahren werden ihre beiden Söhne Jean und Pierre geboren.

1905/06 Den Sommer 1905 über halten sich Matisse und seine Familie in Collioure auf, wo die ersten »fauvistischen« Gemälde entstehen. Im folgenden Jahr lernt Matisse den russischen Sammler Sergej Schtschukin kennen, der bereits mehrere seiner Werke besitzt und später zahlreiche Gemälde in Auftrag geben wird.

1909 Matisse mietet ein Haus in Issy-les-Moulineaux bei Paris und lässt im Garten ein grosses Atelier bauen.

1915 In New York wird Matisse’ Werk erstmals in einer grossen Einzelausstellung gewürdigt.

1917/18 Im Herbst reist Matisse erstmals nach Nizza, wo er in den folgenden Jahren die Herbst- und Wintermonate verbringen wird. 1918 beginnt die so genannte Nizza-Periode.

1930 Der amerikanische Sammler Albert C. Barnes beauftragt Matisse mit dem grossen Wandbild La danse für sein Haus in Merion bei Philadelphia

1935 Matisse’ Atelierassistentin Lydia Delectorskaya wird sein bevorzugtes Modell.

1938 Er mietet sich in Cimiez bei Nizza ein, wo er, mit Unterbrechungen, bis zu seinem Tod im Hôtel Régina wohnt.

1940 Seine Ehe mit Amélie wird geschieden.

1943 Drohende Bombenangriffe zwingen Matisse, Nizza zu verlassen. Er zieht in die Villa »Le Rêve« in Vence, wo er bis 1949 hauptsächlich leben wird. Das Arbeiten mit Schere und bemaltem Papier rückt allmählich in den Mittelpunkt seines Schaffens.

1950/51 Matisse erhält den Grossen Internationalen Preis für Malerei der 25. Biennale von Venedig. Weltweit werden grosse Ausstellungen seiner Werke organisiert. Am 25. Juni 1951 wird die Chapelle du Rosaire in Vence geweiht. In New York erscheint die erste umfassende Monografie von Alfred H. Barr.

1954 Am 3. November stirbt Henri Matisse in Cimiez.