Ein Grundthema aller Arbeiten von Franz West ist die Kommunikation und Interaktion mit und durch die Kunst. West fordert mit seinen Skulpturen das Publikum auf, die statische Haltung des Betrachters zu verlassen und die Objekte zu benutzen, um mit bewegtem Körper selbst Bestandteil des Kunstwerks zu werden. Wests skulpturales Schaffen setzte in den 1970er-Jahren mit den sogenannten »Passstücken« – »körpererweiternden Sinnprothesen« – ein. Ab 1987 schuf er aus Fertigteilen geformte oder mit Stoff bespannte Sitzmöbel aller Art, die, verfremdet und ironisiert, die Kunstwelt eroberten. Auch die in der Fondation Beyeler gezeigten Werke thematisieren die Frage nach der Grenze zwischen Kunstobjekt und Gebrauchsgegenstand.
Das neueste Werk in der Präsentation, Bratislava (2009), besteht aus den bekannten mit Silberstoff überzogenen Liegen und einer grossen, dazwischen arrangierten Epoxidharzkugel. In Gestalt von Genealogie des Ungreifbaren (1997) und Nullen/Zeros (2006) sind wichtige Beispiele der berühmten Passstücke zu sehen. Aus den »Ohren-Boxen« des leinenbezogenen Clubfauteuil (2007) wird Musik von Philipp Quehenberger erklingen. Die grossen Schleifenskulpturen Alpha und Omega (beide 2008) aus farbig lackiertem Aluminium entsprechen in ihrer Form den griechischen Schriftzeichen. In der Installation Red Light District wiederum hat Franz West anhand von leuchtenden Lampenschirmen den Eindruck einer roten Illumination eingefangen.
Im Berower Park der Fondation Beyeler wird die spektakuläre Aussenskulptur Schleife (2009) zu sehen sein, eine von drei ähnlich gestalteten Sitzskulpturen. Sie beziehen sich auf eine Grafik von Ludwig Wittgenstein, die dieser als ein Beispiel für Sinnlosigkeit und auch als Synonym für den Tod verwendet hat. Ebenso geht auch das als Garderobe benutzbare Werk Sinnlos (2008) auf die »Sinnlos-Kritzelei Wittgensteins« zurück.
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