Restaurierung Léger

Das aktuelle Projekt aus der Restaurierungsabteilung: Fernand Légers, "Le Passage à niveau"

Der Zustand von Fernand Légers Gemälde Le passage à niveau ist wegen seiner stark krakelierten Malschicht und komplexen Materialität als fragil einzustufen. Das Bild wurde seit der Eröffnung der Fondation Beyeler im Jahre 1997 nie ausgeliehen, um allfällige Schäden zu vermeiden. Am Anfang der Restaurierungsarbeiten steht die umfangreiche Untersuchung des Gemäldes. Sie soll als Bestandesaufnahme die vorrangigen Massnahmen, die zur Stabilisierung des Werkes führen, erörtern.

Im Rahmen des Projektes wird das Gemälde in verschiedenen Beleuchtungssituationen untersucht und dokumentiert, um nützliche Informationen zu erhalten, die teilweise für das menschliche Auge unsichtbar sind. Dazu gehören Streiflicht- (betonen die Oberflächenstruktur von Leinwand und Malschicht), Infrarot- (bringen Unterzeichnungen oder Veränderungen in der Komposition zum Vorschein), Ultraviolett- (enthüllen spätere Restaurierungen) und Röntgenaufnahmen (durchleuchten den Malschichtaufbau). Die mikroskopische Betrachtung sowie die Erfassung des Erhaltungszustands mittels einer digitalen Kartierung geben ebenfalls aufschlussreiche Informationen.

Nach der Grunduntersuchung wird ein geeignetes Restaurierungskonzept ermittelt, und konservatorische Massnahmen werden durchgeführt.

Durch eine Offenlegung von Légers Maltechnik soll der Schaffensprozess des Künstlers verstanden und der fragile Zustand stabilisiert werden, um eine angemessene und anhaltende Präsentation innerhalb der Sammlung zu gewährleisten.

"Le passage à niveau" im kunstgeschichtlichen Kontext
Fernand Léger, 1947 © Robert Doisneau / Rapho

Bereits in einer kleinen Gruppe früher Landschaftsbilder, zu der Le passage à niveau gehört, begegnet uns Fernand Léger als wichtige künstlerische Position im Schaffen seiner Epoche. Mit den Impressionisten teilt er das Interesse an der Natur, die nach und nach von der Zivilisation und Technik vereinnahmt wird. Aber ihre melodiöse Bildsprache hat er zu diesem Zeitpunkt bereits abgelegt, seine frühesten Werke zerstört. Näher standen ihm die Futuristen, die den pulsierenden Rhythmus des modernen Lebens malerisch in schnelle, bewegte Stakkatos von Linien übersetzten. Unter dem Eindruck von Cézanne und der kubistischen Werke von Picasso und Braque entwickelte er seine abstrakte Bildsprache. Im Umfeld der Pariser Avantgarde fällt er mit einer höchst eigenständigen Position auf, die sich auch für die Kunstgeschichte als wegweisend erweisen sollte.

Fernand Léger, ein prominentes Mitglied der Sammlung Beyeler

Fernand Léger (1881-1955) ist mit zwölf Gemälden prominent in der Sammlung Beyeler vertreten, die die ganze Schaffensbreite umfassen. Schon früh gingen Werke von Fernand Léger durch die Hände des Galeristen Ernst Beyeler. Légers eigenständige Position unter den Hauptakteuren der Klassischen Moderne fasziniert ebenso wie seine Wirkung auf amerikanische Künstler wie Roy Lichtenstein oder Ellsworth Kelly, die ebenfalls in der Sammlung vertreten sind. Als frühes und seltenes Landschaftsbild Légers kommt Le passage à niveau (Der Bahnübergang,1912) nicht nur im Werk des Künstlers eine Scharnier-Funktion zu. Es vermittelt auf eindrückliche Weise zwischen den kubistischen Werken von Pablo Picasso und Georges Braque, Paul Cézanne und Henri Rousseau.

Die Fondation BNP Paribas unterstützt über einen Zeitraum von drei Jahren die Restaurierung von drei Hauptwerken der Sammlung Beyeler.

Fernand Léger
"Le passage à niveau", 1912
Öl auf Leinwand, 94 x 81cm © ProLitteris, Zürich
Ernst Beyeler
Ernst Beyeler vor "Les deux cyclistes, la mère et l’enfant" von Fernand Léger
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