Pablo Picasso

Pablo Picasso
Cruche, bol et citron, 1907
Femme (Epoque des »Demoiselles d’Avignon«), 1907
Femme assise dans un fauteuil, 1910
Tête d’homme (Tête moustachue), 1910 oder 1912
Mandoliniste, 1911
Bouteille sur une table, 1912
Verre, bouteille, guitare (»Ma Jolie«), 1914
Tête de femme, 1921
Instruments de musique sur une table, 1926
La bouteille de vin, 1926
Femme dans un fauteuil, 1927
Figure (Femme assise), 1930
Le sauvetage, 1932
Sculpture d’une tête (Marie-Thérèse), 1932
La femme qui pleure, 1937
La femme qui pleure I, 1937
Femme assise (Dora), 1938
Femme assise dans un fauteuil (Dora), 1938
Femme assise dans une chaise (Dora), 1938
Buste de femme au chapeau (Dora), 1939
La femme au tambourin, 1939
Tête de femme (Dora), 1941
Femme en vert (Dora), 1944
Peintre et modèle, 1953
Petite femme aux bras écartés, 1961
Tête de femme, 1961
Femme au chapeau, 1961/1963
L’enlèvement des Sabines, 1962
Nu couché jouant avec un chat, 1964
Chat et homard, 1965
Nu couché et homme au masque, 1969
Profil de femme (Jacqueline), 1969
Vase de fleurs sur une table, 1969
Cruche, bol et citron, 1907
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Pablo Picasso
Cruche, bol et citron, 1907

Krug, Schale und Zitrone
Öl auf Holz, 63,5 x 49,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Femme (Epoque des »Demoiselles d’Avignon«), 1907
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Pablo Picasso
Femme (Epoque des »Demoiselles d’Avignon«), 1907

Frau (Epoche der »Demoiselles d’Avignon«)
Öl auf Leinwand, 119 x 93,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Femme assise dans un fauteuil, 1910
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Pablo Picasso
Femme assise dans un fauteuil, 1910

Frau im Lehnstuhl
Öl auf Leinwand, 73,2 x 60,2 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Tête d’homme (Tête moustachue), 1910 oder 1912
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Pablo Picasso
Tête d’homme (Tête moustachue), 1910 oder 1912

Männerkopf (Kopf mit Schnurrbart)
Kohle auf Papier, 64 x 49 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Mandoliniste, 1911
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Pablo Picasso
Mandoliniste, 1911

Mandolinenspieler
Öl auf Leinwand, 100,5 x 69,5 cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Bouteille sur une table, 1912
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Pablo Picasso
Bouteille sur une table, 1912

Flasche auf einem Tisch
Kohle und Zeitungsausschnitt auf Papier, 62 x 47,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Die Papiers collés von Braque und Picasso weisen auf die zunehmende Verdinglichung des Bildes in der Moderne hin, die mit Mondrian und später Pollock und Tàpies einen Höhepunkt erfährt. Das Bild, das schon allein durch den aufgeklebten Zeitungstext mit der Illusion spielt, ist in einer Zeit entstanden, als sich Picasso intensiv mit der Darstellung von Fläche und Raum, von zwei- und Dreidimensionalität, beschäftigte. Berühmtes Resultat seiner künstlerischen Suche war die aus Blech gefaltete Gitarre, die sich heute im Museum of Modern Art in New York befindet, und es ist fraglich, ob die auf dem Bild zu erkennende Flasche nicht mit der Illusion spielt, eigentlich das Bild einer Gitarre zu sein.

Verre, bouteille, guitare (»Ma Jolie«), 1914
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Pablo Picasso
Verre, bouteille, guitare (»Ma Jolie«), 1914

Glas, Flasche, Gitarre (»Ma Jolie«)
Öl und Sand auf Leinwand, 80,5 x 64,5 cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Tête de femme, 1921
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Pablo Picasso
Tête de femme, 1921

Frauenkopf
Pastell auf Papier, 63,5 x 48 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Dieses Pastell stammt als einziges Werk der Fondation aus Picassos „klassizistischer“ Phase der frühen 1920er Jahre und steht somit zwischen den kubistischen und den surrealistischen Werken des Spaniers. Es entstand 1921 im Umfeld des grossen Gemäldes Drei Frauen am Brunnen (Museum of Modern Art, New York) und bezieht sich direkt auf den Kopf der Frau, die in jenem Bild links darauf wartet, ihre Kanne zu füllen. Anders als dort schaut die Frau aber nicht verträumt nach unten zu ihrer Begleiterin, sondern wach und geradeaus nach rechts. Sie ist sozusagen aus dem Kontext der grossen Komposition entlassen und steht für sich. Auch der blaue Hintergrund unterscheidet sich vom erdfarbenen Grund des grossen Werks. Picasso spielt hier souverän mit der Idee eines klassischen, von ihm als Bildhauer modellierten Kopfes, den er aber als Maler zum Leben erweckt.

Instruments de musique sur une table, 1926
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Pablo Picasso
Instruments de musique sur une table, 1926

Musikinstrumente auf einem Tisch
Öl auf Leinwand, 168 x 203 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

La bouteille de vin, 1926
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Pablo Picasso
La bouteille de vin, 1926

Die Weinflasche
Öl auf Leinwand, 98 x 131,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Femme dans un fauteuil, 1927
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Pablo Picasso
Femme dans un fauteuil, 1927

Frau im Lehnstuhl
Öl auf Leinwand, 128 x 97,8 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

In den Jahren 1926–1929 beschäftigte sich Picasso intensiv mit dem Thema des Modells im Atelier. Entstand aber dieses Bild mit dem Modell vor Augen im Atelier? Eine Vorzeichnung in einem Skizzenbuch desselben Jahrs (Musée Picasso, Paris) zeigt, dass die gesamte Komposition bereits klar war, als Picasso das Gemälde begann. In seinen Zeichnungen experimentierte er auch mit räumlichen Projektionen seiner im Gemälde ganz flachen Bildkörper. Neben die äussere Natur trat als Quelle der Inspiration die innere Natur der Imagination. Hier ist die geisterhafte Gestalt einer Frau zu sehen. Ihren Mund zur Vagina dentata gebleckt, schiebt sie sich in grellem Gelb durch die Farbzonen und Strukturen des Bildes. Körperteile und Andeutungen eines Interieurs wurden auseinandergenommen und neu zu einer abstrakten Struktur zusammengesetzt.

Figure (Femme assise), 1930
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Pablo Picasso
Figure (Femme assise), 1930

Figur (Sitzende Frau)
Öl auf Holz, 65,6 x 49,2 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Wie vom weissen Lichtschein eines Spots erhellt, blickt uns eine kleine Figur neugierig entgegen, Augen, Nase, Mund, Ohren – allenfalls noch Haare, zumindest eine Brust: Alles da! Dazu ein Fauteuil mit geflochtener Rückenlehne. An kubistische Experimente mit ins Bild geklebtem Geflecht erinnernd, wirkt sie (die Rückenlehne nämlich!) gegenüber der Figur beinahe über-realistisch. Zudem zeigt sie, was auch an der Figur geschieht, die ihre Präsenz auf dem flachen Bild aus verschiedenen visuellen Bereichen, Strängen und Schichten gewinnt.

Le sauvetage, 1932
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Pablo Picasso
Le sauvetage, 1932

Die Rettung einer Ertrinkenden
Öl auf Leinwand, 130 x 97,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Spätestens 1927 traf Picasso die junge Marie-Thérèse Walter, die bald seine Geliebte wurde. Im dramatischen Sauvetage sehen wir drei Frauen, die alle die Züge von Marie-Thérèse tragen: Die mittlere wird, offenbar gerade noch lebend, wie ein Spiegelbild der oberen aus dem Wasser geborgen. Dies und die allgegenwärtigen Narzissen liessen Reinhold Hohl das Bild als Variation des Mythos von Narziss deuten, der sich laut Ovids Metamorphosen in sein Spiegelbild verliebte und im Tod zu der Blume wurde, der er den Namen gab. Wandlung bestimmt das Bild insgesamt: So entstehen die Blüten aus dem Atem der Geborgenen, und aus den drei Figuren wird eine einzige, körperübergreifende Gebärde. Ein Element des Bildes sollte Kunstgeschichte schreiben: Im obersten Gesicht kündigt sich erstmals ein Antlitz an, das 1936 in einer der Hauptfiguren von Guernica wiederkehrt.

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Sculpture d’une tête (Marie-Thérèse), 1932
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Pablo Picasso
Sculpture d’une tête (Marie-Thérèse), 1932

Modellierter Kopf (Marie-Thérèse)
Kohle auf grundiertem Gewebe, 92 x 73 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Picasso gilt als einer der innovativsten Plastiker der Moderne. Von Haus aus Maler, konnte er sich im dreidimensionalen Raum besonders frei bewegen und kreativ Regeln ausser Kraft setzen. Aus der Zeit bis 1945 besitzt die Fondation zwei plastische Arbeiten Picassos – aber nur eine davon – Tête de femme (Dora) von 1941 – ist tatsächlich ein dreidimensionales Werk. Sculpture d’une tête (Marie-Thérèse), ein Bildnis seiner Geliebten Marie-Thérèse Walter, zeigt dagegen in Kohle auf Leinwand die unerhörte Fähigkeit Picassos, das Flächige plastisch zu denken. Additiv aus Einzelformen zusammengefügt, erscheint vor uns eine skulpturale Darstellung der jungen Frau.

La femme qui pleure, 1937
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Pablo Picasso
La femme qui pleure, 1937

Weinende Frau
Öl auf Leinwand, 55 x 46 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Nach seiner vom Surrealismus geprägten Werkphase der Jahre 1924–1934 verwendete Picasso seine in diesen Jahren entwickelte „surreale“ Bildsprache auch als Grundlage seiner Werke der Jahre 1935 bis 1939 und danach. Zugleich erhielten diese, kriegsbedingt, oft einen neuen, verzweifelten Unterton. An die Stelle des Traums trat der Alptraum. Neben das direkt vom Weltpolitischen Geprägte (Guernica, 1937) sind es dabei auch dessen Auswirkungen auf die von Picasso gemalten Individuen – darunter in erster Linie seine Geliebte Dora Maar. Wir sehen sie im Gemälde und in der Radierung der Weinenden Frau von 1937, einem Bildtyp, der ursprünglich für die Figurenwelt von Guernica gedacht war, dann aber in einer separaten Werkgruppe ausgearbeitet wurde. Während die extremen Affekte in Werken der Jahre 1924–1934 oft emotionale Spannungen in Picassos privatem Leben spiegelten, drückt der Künstler mit dieser am Surrealismus geschulten Expressivität nun das überpersönliche Leid des Menschen im Angesicht des Kriegsgrauens aus. Über ihre individuelle Gestalt hinaus wird Dora zu einer aus dem Bereich des Religiösen befreiten Mater dolorosa des Zeitalters der Ideologien – und deren Folgen.

La femme qui pleure I, 1937
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Pablo Picasso
La femme qui pleure I, 1937

Weinende Frau I
Kaltnadel, Aquatinta, Radierung und Polierstahl auf Kupfer auf Papier »Vergé de Montval«, 69,2 x 49,5 cm, Blatt 77 x 57 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Nach seiner vom Surrealismus geprägten Werkphase der Jahre 1924–1934 verwendete Picasso seine in diesen Jahren entwickelte „surreale“ Bildsprache auch als Grundlage seiner Werke der Jahre 1935 bis 1939 und danach. Zugleich erhielten diese, kriegsbedingt, oft einen neuen, verzweifelten Unterton. An die Stelle des Traums trat der Alptraum. Neben das direkt vom Weltpolitischen Geprägte (Guernica, 1937) sind es dabei auch dessen Auswirkungen auf die von Picasso gemalten Individuen – darunter in erster Linie seine Geliebte Dora Maar. Wir sehen sie im Gemälde und in der Radierung der Weinenden Frau von 1937, einem Bildtyp, der ursprünglich für die Figurenwelt von Guernica gedacht war, dann aber in einer separaten Werkgruppe ausgearbeitet wurde. Während die extremen Affekte in Werken der Jahre 1924–1934 oft emotionale Spannungen in Picassos privatem Leben spiegelten, drückt der Künstler mit dieser am Surrealismus geschulten Expressivität nun das überpersönliche Leid des Menschen im Angesicht des Kriegsgrauens aus. Über ihre individuelle Gestalt hinaus wird Dora zu einer aus dem Bereich des Religiösen befreiten Mater dolorosa des Zeitalters der Ideologien – und deren Folgen.

Femme assise (Dora), 1938
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Pablo Picasso
Femme assise (Dora), 1938

Sitzende Frau (Dora)
Tusche, Gouache und Farbkreide auf Papier, 76,5 x 56 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Am 27. April 1938 zeichnete Picasso die Büste einer sitzenden Dora mit Hut. Mit ihren wie angeklebt wirkenden Ohren und Augen wirkt sie genauso zusammengesetzt wie der Stuhl, auf dem sie sitzt. Zusätzlich verbunden werden Figur und Möbel durch die Tusche-Striche, die das Blatt spinnwebenartig überziehen. Gemeinsam mit dem bedrückten Blick lassen sie den Eindruck eines Gefangenseins der Figur entstehen, der mit dem Heiteren der Farbe kontrastiert. In weiteren Zeichnungen weitete Picasso in den folgenden Tagen das Bild der sitzenden Dora auf deren Gesamtfigur aus, eine Bildidee, die am 31. Mai im kapitalen grossen Gemälde der Fondation gipfelte. Nun ist alles Versponnen-Burleske verschwunden: Graue Wände umgeben die Dargestellte gefängnisartig auf allen Seiten. Riesig, wie ein insektenartiges, zugleich Furcht einflössendes und angsterfülltes Monument thront Dora in klobigen Formen auf einem Sitzgerüst. Dieses ist vollends mit der Figur eins geworden und wirkt wie ein Martergestell, auf dessen Lehnen die Arme wie auf Kreuzesbalken ruhen. In einer ebenfalls in der Fondation bewahrten Zeichnung vom 4. Juli 1938, in der Dora kokett die Hand zum Mund erhebt, wendet Picasso die gewaltige, düstere Komposition dann wieder ins Heiter-Surreale.

Femme assise dans un fauteuil (Dora), 1938
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Pablo Picasso
Femme assise dans un fauteuil (Dora), 1938

Frau im Lehnstuhl (Dora)
Öl auf Leinwand, 188,5 x 129,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Am 27. April 1938 zeichnete Picasso die Büste einer sitzenden Dora mit Hut. Mit ihren wie angeklebt wirkenden Ohren und Augen wirkt sie genauso zusammengesetzt wie der Stuhl, auf dem sie sitzt. Zusätzlich verbunden werden Figur und Möbel durch die Tusche-Striche, die das Blatt spinnwebenartig überziehen. Gemeinsam mit dem bedrückten Blick lassen sie den Eindruck eines Gefangenseins der Figur entstehen, der mit dem Heiteren der Farbe kontrastiert. In weiteren Zeichnungen weitete Picasso in den folgenden Tagen das Bild der sitzenden Dora auf deren Gesamtfigur aus, eine Bildidee, die am 31. Mai im kapitalen grossen Gemälde der Fondation gipfelte. Nun ist alles Versponnen-Burleske verschwunden: Graue Wände umgeben die Dargestellte gefängnisartig auf allen Seiten. Riesig, wie ein insektenartiges, zugleich Furcht einflössendes und angsterfülltes Monument thront Dora in klobigen Formen auf einem Sitzgerüst. Dieses ist vollends mit der Figur eins geworden und wirkt wie ein Martergestell, auf dessen Lehnen die Arme wie auf Kreuzesbalken ruhen. In einer ebenfalls in der Fondation bewahrten Zeichnung vom 4. Juli 1938, in der Dora kokett die Hand zum Mund erhebt, wendet Picasso die gewaltige, düstere Komposition dann wieder ins Heiter-Surreale.

Femme assise dans une chaise (Dora), 1938
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Zurzeit nicht ausgestellt

Pablo Picasso
Femme assise dans une chaise (Dora), 1938

Frau auf einem Stuhl sitzend (Dora)
Tuschfeder auf Papier, 65 x 50 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Am 27. April 1938 zeichnete Picasso die Büste einer sitzenden Dora mit Hut. Mit ihren wie angeklebt wirkenden Ohren und Augen wirkt sie genauso zusammengesetzt wie der Stuhl, auf dem sie sitzt. Zusätzlich verbunden werden Figur und Möbel durch die Tusche-Striche, die das Blatt spinnwebenartig überziehen. Gemeinsam mit dem bedrückten Blick lassen sie den Eindruck eines Gefangenseins der Figur entstehen, der mit dem Heiteren der Farbe kontrastiert. In weiteren Zeichnungen weitete Picasso in den folgenden Tagen das Bild der sitzenden Dora auf deren Gesamtfigur aus, eine Bildidee, die am 31. Mai im kapitalen grossen Gemälde der Fondation gipfelte. Nun ist alles Versponnen-Burleske verschwunden: Graue Wände umgeben die Dargestellte gefängnisartig auf allen Seiten. Riesig, wie ein insektenartiges, zugleich Furcht einflössendes und angsterfülltes Monument thront Dora in klobigen Formen auf einem Sitzgerüst. Dieses ist vollends mit der Figur eins geworden und wirkt wie ein Martergestell, auf dessen Lehnen die Arme wie auf Kreuzesbalken ruhen. In einer ebenfalls in der Fondation bewahrten Zeichnung vom 4. Juli 1938, in der Dora kokett die Hand zum Mund erhebt, wendet Picasso die gewaltige, düstere Komposition dann wieder ins Heiter-Surreale.

Buste de femme au chapeau (Dora), 1939
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Pablo Picasso
Buste de femme au chapeau (Dora), 1939

Frauenbüste mit Hut (Dora)
Öl auf Leinwand, 55 x 46,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Während Dora Maar in den anderen Bildern der Fondation wie Femme qui pleure und Femme assise dans un fauteuil als überpersönliche Projektionsfigur einer von Leid und Angst geprägten Welt erscheint, widmet sich ihr Picasso in einem weiteren Bild der Fondation wieder mehr im Sinne des auf das Individuelle zielenden Porträts: In Buste de femme au chapeau (Dora) sucht er neue Umrissformen, die dem Antlitz Doras im Wechsel von hellem Gesicht, hellem Hintergrund, dunklem Hut und Haaren neue Aspekte abzugewinnen vermögen. Abgesehen von der unbestreitbaren heiteren Note dieser Neuschöpfung des menschlichen Antlitzes lässt dieses kleine Meisterwerk in Doras Augen die hellwache Präsenz dieser Frau aufblitzen, die als bedeutende Fotografin und als Gefährtin Picassos zu einer wichtigen Zeugin einer schrecklichen Zeit geworden ist.

La femme au tambourin, 1939
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Pablo Picasso
La femme au tambourin, 1939

Frau mit Tamburin
Aquatinta und Strichätzung auf Kupfer auf Papier »Vélin d’Arches«, Druck von der unverstählten Platte 1942, 66,5 x 51,2 cm, Blatt 74 x 56 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Tête de femme (Dora), 1941
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Pablo Picasso
Tête de femme (Dora), 1941

Frauenkopf (Dora)
Bronze, eines von 4 Exemplaren, 80 x 40 x 55 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Auf einem Sockel erhebt sich mit grosser plastischer Wucht das Antlitz Dora Maars, die Marie-Thérèse Walter als Geliebte Picassos ablöste. Erst beim zweiten Hinsehen entdeckt man die zahlreichen kleinen Verletzungen in der monumentalen Form und sieht, wie der Kopf im Hinterhaar und im Sockel noch in einem ungefügen Zustand steckt, aus dem heraus er im Werk vollendete Form wird. Das Werk gipfelt im mentalen Zauber von Doras schauendem, wahrnehmendem Blick. Von den Augenbällen fehlt freilich der vorderste Teil: ihn teilt die Plastik vollumfänglich mit unserem lebendigen Raum.

Femme en vert (Dora), 1944
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Zurzeit nicht ausgestellt

Pablo Picasso
Femme en vert (Dora), 1944

Frau in Grün (Dora)
Öl auf Leinwand, 130 x 97 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Das eindrucksvolle, wohl im Februar 1944 entstandene Bild zeigt allem Anschein nach Dora Maar, die in einem engen, verschachtelten Raum auf einem Stuhl thront und den Betrachter fixiert. Einige Aspekte des Bildes lassen es möglich erscheinen, dass Picasso ein anderes Bild der Fondation, Cézannes Madame Cézanne, gut kannte: Neben der Haltung der Hände, die bei beiden Gemälden ganz ähnlich dargestellt wird, gilt dies etwa für den Zwischenraum rechts zwischen Arm und Körper, der in beiden Fällen etwas anderes zeigt, als man erwarten könnte: bei Cézanne die Wand statt des Fauteuils, bei Picasso ein Wandstück ohne die zu erwartende Raumkante. Gegen Ende des Krieges greift Picasso also auf den bewährten Prüfstein Cézanne zurück. Während Cézanne aber seine Frau kühl und distanziert schildert, verpasst Picasso Dora einen Hundekopf – Ausdruck der seit Mai 1943 und dem Auftauchen Françoise Gilots erodierenden Beziehung?

Peintre et modèle, 1953
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Zurzeit in der Kunsthalle Bremen ausgestellt

Pablo Picasso
Peintre et modèle, 1953

Maler und Modell
Feder und Pinsel mit Tusche auf Papier, 26 x 21cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Petite femme aux bras écartés, 1961
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Pablo Picasso
Petite femme aux bras écartés, 1961

Kleine Frau mit ausgebreiteten Armen
Ausgeschnittenes und gefaltetes Eisenblech, bemalt, 36,2 x 34,5 x13 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Picassos Petite femme aux bras écartés war ein Entwurf für eine Monumentalplastik, die auf dem Landgut seines Händlers Daniel-Henry Kahnweiler in Beton ausgeführt wurde.

Tête de femme, 1961
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Zurzeit in der Kunsthalle Bremen ausgestellt

Pablo Picasso
Tête de femme, 1961

Frauenkopf
Ausgeschnittenes und gefaltetes Eisenblech, bemalt, eingeritzte Zeichnung (Hinterkopf), 28 x 21x 9,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Picasso beschäftigte sich immer wieder mit dem Verhältnis von Zwei- und Dreidimensionalität. So versuchte er beispielsweise in seiner kubistischen Phase, die Dreidimensionalität von Körpern zweidimensional – malerisch – darzustellen. Die Anfang der 1960er Jahre entstandenen, auf Experimente mit Papierschnitten zurückgehenden Blechskulpturen sind ein Sonderfall. Einerseits sind sie räumlich, andererseits aufgestellte Flächen, die bemalt oder wie bei der Tête de femme mit Ritzungen versehen sind und als Körper zweidimensional wirken. Man könnte sie als raumgreifende Gemälde bezeichnen.

Femme au chapeau, 1961/1963
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Zurzeit nicht ausgestellt

Pablo Picasso
Femme au chapeau, 1961/1963

Frau mit Hut
Ausgeschnittenes und gefaltetes Eisenblech, 1963 bemalt, 126 x 73 x 41cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Die Femme au chapeau existiert in vier Exemplaren, wobei nur dieses später von Picasso bemalt wurde. Hier entsteht das Volumen der Figur nicht allein durch Faltungen des Blechs, sondern durch die Staffelung verschiedener Ebenen, die Schatten werfen und unterschiedliche Durchblicke zulassen. So wird die ganze Differenziertheit einer Person sichtbar, deren Mund und Kinn im Profil, deren Augen aber frontal gezeigt werden. Das Auge, durch das man blickt, ohne einen Hintergrund zu sehen, wirkt ganz anders als jenes vor dem braunen Hintergrund.

L’enlèvement des Sabines, 1962
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Non exposé actuellement

Pablo Picasso
L’enlèvement des Sabines, 1962

Der Raub der Sabinerinnen
Öl auf Leinwand, 161,5 x 130 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

In diesem Gemälde gab Picasso seiner Erschütterung durch die Kubakrise von 1962 Ausdruck: Ein Pferd mit wild gefletschten Zähnen, das von einem mit Schwert und Schild ausgerüsteten Krieger geritten wird, wendet sich zum Betrachter und droht die schon unter ihm liegende Frau zu zermalmen. Der Titel bezieht sich nicht auf die historisch-mythologische Begebenheit aus der Geschichte Roms, sondern auf berühmte Gemälde über das gleiche Thema: Als Inspirationsquelle hatte sich Picasso die Versionen von Poussin und David in seinem Atelier an die Wand projizieren lassen. Das Gemälde hier scheint aber auch von dem immer wieder als Raub der Sabinerinnen bezeichneten Bild Der Raub der Töchter des Leukippos von Peter Paul Rubens beeinflusst zu sein. Nicht nur die Wahl des Hochformats, sondern auch die ausgebreiteten Arme der Frau und die Drehung des Pferdes deuten darauf hin.

Nu couché jouant avec un chat, 1964
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Zurzeit nicht ausgestellt

Pablo Picasso
Nu couché jouant avec un chat, 1964

Liegender Akt, mit einer Katze spielend
Öl auf Leinwand, 114 x 194,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

In seiner Spätzeit entwickelte Picasso einen unerhört expressiven Malstil, der wenig Rücksicht auf Konventionen nahm. Fast jeden Tag entstand ein grosses, schwungvoll gemaltes Bild, eine Produktion, die sich wie ein Tagebuch lesen lässt. Man sieht in Picassos Bildern den Rhythmus seiner Malbewegungen, die eher gemalte Zeichnungen als Farbkompositionen sind. In der grossen breitformatigen Grisaille malte Picasso sein damals bevorzugtes Modell, seine Frau Jacqueline, als Odaliske, die ein Kätzchen krault – ein Sinnbild für lässige, selbstbewusste Erotik. Die Haltung der Figur erinnert allerdings auch an etruskische Sarkophagfiguren, so dass man in dem Bild eine Todessymbolik erkennen könnte. Stilistisch schlägt das Werk einen grossen Bogen zurück zur Femme von 1907: Wie damals markierte Picasso auch hier die Figur durch kreissegmentförmige Pinselstriche und liess unbemalte mit bemalter Leinwand kontrastieren.

Chat et homard, 1965
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Pablo Picasso
Chat et homard, 1965

Katze und Hummer
Öl auf Leinwand, 73 x 100 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Das temperamentvoll gemalte Gemälde gehört zu einer Gruppe von Bildern aus dem Januar 1965, die alle das gleiche Thema zeigen, eine alltägliche Begebenheit, die für die Picassos wahrscheinlich eine persönliche Bedeutung hatte: eine Katze, die hinter einem Hummer her ist. Seinem Spätstil entsprechend hat Picasso die Umrisse mit schwarzer Farbe angedeutet – wie ein malender Zeichner. Auffallend ist die kräftige Farbgebung; vor allem das Spielen mit dem Kontrast der Farben Rot und Grün gibt dem Bild eine eigentümliche Räumlichkeit. Auch seine Signatur mit grüner Schrift auf rotem Grund hat Picasso entsprechend eingesetzt.

Nu couché et homme au masque, 1969
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Pablo Picasso
Nu couché et homme au masque, 1969

Liegender Frauenakt und Mann mit Maske
Grafitstift auf Papier, 50 x 65,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Eine schöne opulente Frau, hingestreckt in wollüstigem Tiefschlaf, die von einem Mann beobachtet wird: Picasso war ein Meister darin, das Begehren zum Thema von Kunst zu machen. In Nu couché et homme au masque wird die geschminkte Frau, deren lange und lackierte Fingernägel etwas durchaus Bedrohliches haben, genau genommen von einem Mann mit drei Gesichtern betrachtet: Der junge bärtige Mann mit dem bohrenden Blick und dem an den Riesen Polyphem erinnernden Auge auf der Stirn wirft einen Schatten, der nicht der seines eigentlichen Gesichts zu sein scheint; man erkennt ein klassisches antikes Profil. Die Maske, die sich der Beobachter vorhält, zeigt das runzlige Gesicht eines alten Mannes. Sollte sich der damals 88-jährige Picasso hier selbst gemeint haben, als jemand, der eigentlich jung ist, sich aber hinter dem Alter versteckt? Die Sicherheit der wenigen Linien, die die Figuren umfassen, und die Zeichnung, die wie aus einem Guss aufs Papier geworfen zu sein scheint, lassen diesen Schluss zu.

Profil de femme (Jacqueline), 1969
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Pablo Picasso
Profil de femme (Jacqueline), 1969

Frau im Profil (Jacqueline)
Linolschnitt, mit Tusche und Farbstiften überarbeitet, 75 x 62 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Jacqueline Roque (1927–1986) lernte Picasso 1953 kennen. Sie wurde die letzte Gefährtin des Künstlers, der sie 1961 heiratete. Dieses positiv wirkende und mit verschiedenen Strichlagen überarbeitete Linolschnitt-Porträt Jacquelines im Profil widmete Picasso 1970 Hildy Beyeler, deren Rolle beim Aufbau der Sammlung Beyeler keineswegs unterschätzt werden sollte.

Vase de fleurs sur une table, 1969
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Pablo Picasso
Vase de fleurs sur une table, 1969

Vase mit Blumen auf einem Tisch
Öl auf Leinwand, 116 x 89 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Wie für viele andere Künstler war ein Blumenstrauss für Picasso vor allem ein Mittel, sich mit den Möglichkeiten der Malerei auseinanderzusetzen. Allerdings steht hier nicht unbedingt die Farbigkeit im Zentrum. Ausgangspunkt sind die Formen der Vase und des Buketts, das auf den ersten Blick aus einem Gewirr von Pinselstrichen besteht. Es lohnt sich, die einzelnen Striche zu verfolgen; sie sind Resultate der von unbändigem Willen und Lockerheit geprägten Malgesten Picassos. So paradox es klingen mag, zeigen diese ihn vor allem als unangefochtenen Meister der Linie, der Zeichnung. Ob mit dem Pinsel oder mit Feder und Stift: er war in der Lage, jeder Linie eine Art „effet“ und damit seinen Bildern eine Spannung zu geben, der man sich nicht entziehen kann.

Pablo Picasso
Pablo Picasso
Pablo Picasso

1881, Málaga – 1973, Mougins

Der spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer absolvierte sein Kunststudium in La Coruña, Barcelona und Madrid. Ab 1900 reist er immer wieder nach Paris, wo er sich 1904 endgültig niederlässt. Nach Blauer und Rosa Periode malt er 1907 mit den Desmoiselles d’Avignon das erste Hauptwerk des Kubismus. 1912 verwendet er erstmals die Collage-Technik und schafft Plastiken. Ab 1917 entwirft er Kostüme und Dekorationen für Serge Diaghilews Ballets Russes. Anfang der zwanziger Jahre entstehen Werke in neoklassizistischem Stil. 1925 nimmt er an der ersten Surrealisten-Ausstellung in Paris teil. Aus Schrott und Eisen produziert er seine ersten grossen Plastiken. 1937 entsteht für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung das Wandgemälde Guernica, in dem er, ausgehend vom Bombardement der baskischen Stadt Guernica durch deutsche Flugzeuge im gleichen Jahr, mit symbolischen Mitteln die Schrecken des Krieges thematisiert. 1939 findet eine grosse Retrospektive seiner Werke im Museum of Modern Art in New York statt. Während der deutschen Besatzung in Frankreich erhält er Ausstellungsverbot. 1949 siedelt er nach Südfrankreich über, wo er schon seit 1909 regelmässig im Sommer malt. Sein Spätwerk zeichnet sich durch stilistische Vielfalt und Auseinandersetzung mit den alten Meistern aus, Mitte der sechziger Jahre dominieren furios gemalte weibliche Akte. 1970 wird das Museu Picasso in Barcelona eröffnet, 1985 das Musée Picasso in Paris.

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