Joan Miró

Joan Miró
Paysage (Paysage au coq), 1927
Peinture (Personnages: Les frères Fratellini), 1927
Peinture, 1930
Composition (Petit univers), 1933
Danseuse espagnole, 1945
L’étreinte du soleil à l’amoureuse, 1952
Oiseau lunaire, 1966
Paysage (Paysage au coq), 1927
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Joan Miró
Paysage (Paysage au coq), 1927

Landschaft (Landschaft mit Hahn)
Öl auf Leinwand, 131 x 196,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Eine perspektivisch sich verjüngende Leiter führt in die Tiefe des Bildes. Assistiert von einem krähenden Hahn, der farblich und mit einem ihm eingeschriebenen „E“ wohl auf das vorrepublikanische Spanien hinweist, verbindet sie eine wüstenartige Bodenzone mit einem heissen Himmel, den eine Wolke visionär durchsegelt. Die hier geschilderte Landschaft ist mit Mirós ewiger Erinnerungslandschaft verbunden, derjenigen des väterlich-bäuerlichen Montroig. Wer auf diese Leitersprossen steigt, die gleichzeitig wie sich entfernende Horizonte wirken, wird also in die Tiefe der Kindheitserinnerung geführt – ein surrealistisches Thema, für das sich auch Sigmund Freud interessiert hatte.

Peinture (Personnages: Les frères Fratellini), 1927
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Joan Miró
Peinture (Personnages: Les frères Fratellini), 1927

Malerei (Personen: Die Brüder Fratellini)
Öl auf Leinwand, 130 x 97,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

1928 lernten sich Joan Miró und Alexander Calder kennen – eine Begegnung, deren Folgen die Fondation Beyeler 2004 in einer Ausstellung gewürdigt hat. Beide Künstler begeisterten sich für die Welt des Zirkus, so auch für die damals berühmten italienischen Fratellini-Clowns, die in Paris für Furore sorgten. Auch wenn es nicht Miró selber war, der das vorliegende Bild im Werktitel auf die Fratellini bezog, bezeugt das Werk dennoch sein Interesse am Clownesken. Vor einem wie in Trance mit leuchtendem Blau bemalten Hintergrund lässt Miró etwas Weiss einen Sockel oder Rumpf spielen, macht aus einer Linie einen Hals und erfindet mittels einer imposanten Nase, eines staunenden Farbauges und einiger kecker Linien einen komischen Kopf, der reine Malerei ist. Fern jedes surrealistischen Dogmatismus lautet das Thema hier federleichte Balance – und entsprechend traumwandlerisch sichere Handhabung des Träumerischen als der neuen Grossmacht der Kunst.

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Peinture, 1930
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Zurzeit nicht ausgestellt

Joan Miró
Peinture, 1930

Malerei
Öl, Kohle und Gips auf Leinwand, 231 x 150,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Dies ist kein „typischer“ Miró: Hier ist wenig zu sehen von leuchtenden Farbflächen, lautlos schwebendem Formblühen und jenem positiven Zauber, die vielen Werken des Katalanen eigen sind. Dies hier ist eine intime, tollkühn ins Monumentale gesteigerte Traumkritzelei von einzigartiger Dichte. Zunächst präsentiert Miró eine Geschichte: Links die Frau mit noch angstvoll vergittertem Blick, deren Kopf sich aber bereits violett mit dem eines begeisterten, von rechts sich nahenden Galans überschneidet. Dann aber geht es darum, was geniale moderne „Zeichnungsmalerei“ vermag: Gezeichnet sind Frau und Mann, wie eine Radierung wirkt der Vogel mit dem Blau im Bauch, der nach dem gemalten Rot pickt, welches gerade ein Gelb verschlingt; und über der Frau wird Farbe zu raumverwandter Paste. Wie auch die frei fliessende Linie unten rechts zeigt, sprechen hier also die künstlerischen Mittel selbst – Miró, als eine Art Seismograf, notiert bloss das Diktat.

Composition (Petit univers), 1933
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Zurzeit nicht ausgestellt

Joan Miró
Composition (Petit univers), 1933

Komposition (Kleines Universum)
Gouache auf Karton, 39,5 x 31,5 cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Wieviel Platz braucht es für ein Stück farbige, im Moment lebendige Mythologie? Bei Joan Miró nicht viel: In Composition (Petit univers) lässt er in leuchtenden Gouachefarben – und mit einer Reverenz an den vor-surrealistischen Meeresnixen-Mythologiker Böcklin – eine kleine Meerjungfrau, einen hoch aufspringenden Fisch, eine Robbe sowie etliche Gestirne zwischen Wasser und Himmel zu einem aquatischen Fandango zusammenfinden. Dieser findet aber eben nicht irgendwann auf der grauen Zeitachse unserer Uhrwerke statt, sondern im goldenen Fluss des Mythos, zu dem Künstler wie der grosse Katalane besonderen Zugang zu haben schienen. Der Nebentitel Petit univers umschreibt sehr schön dieses kleine Meisterwerk, das klein sein darf – und dennoch eine ganze Welt enthält.

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Danseuse espagnole, 1945
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Zurzeit nicht ausgestellt

Joan Miró
Danseuse espagnole, 1945

Spanische Tänzerin
Öl auf Leinwand, 146,5 x 114,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Dieses Bild gehört zu einer 1945 entstandenen Serie aus drei Gemälden mit spanischen Themen. Die Werke leben vom Kontrast zwischen dem rauen Grau des Hintergrundes und den bis ins Feinste ausgependelten Linien und Farbflächen. Diese erinnern an Mirós Constellations von 1941 und kündigen formal bereits das riesige Cincinnati-Wandbild von 1947 an. Darauf bezieht sich wohl der Hintergrund dieses Bildes, denn Miró versuchte hier eine Wand als Bildgrund zu imitieren. Er traktierte die Leinwand nach dem Auftragen des grauen Hintergrundes, indem er sie  zu einem kleinen, bis heute sichtbaren Quadrat faltete. Auf die so entstandene Illusion von „Mauerputz“ trug er die delikat schwebenden Formen seiner Tänzerin auf, deren glutvolle Ekstase sich in einer Konstellation unruhiger Grazie entlädt.

L’étreinte du soleil à l’amoureuse, 1952
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Zurzeit nicht ausgestellt

Joan Miró
L’étreinte du soleil à l’amoureuse, 1952

Verliebte Umarmung der Sonne
Öl auf Leinwand, 22 x16 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Noch kleiner als Composition (Petit univers) ist das Sonnensystem in einer anderen Arbeit Mirós, seiner spätesten in der Fondation, die zugleich das kleinste Kunstwerk in der Sammlung ist. Was zeigt das Bild? Während von oben ein zweiphasiger Mond – dem im Bild diverse dunkle Partien antworten – die Szenerie betrachtet, macht sich links die Sonne, die wie ein Käfer über den Horizont klettert, an die im Titel evozierte Umarmung einer Verliebten. Diese nimmt – einer modernen Venus von Willendorf nicht unähnlich – mit ihrem skurrilen Charme die rechte Bildhälfte des Bildchens ein, das sich insgesamt als zauberhafte kleine Parzelle geheimnisvollen Lebens von Farbe, Form und Zwischenraum präsentiert.

Oiseau lunaire, 1966
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Joan Miró
Oiseau lunaire, 1966

Mondvogel
Bronze, Exemplar 5/ 5, Susse Frères Paris, 234 x 210 x 150 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Mitten im wunderbaren Reigen filigran-schwebender Bildwelten, wie er ihn in den Constellations der Kriegszeit begann und dann im gewaltigen Cincinnati-Wandbild gipfeln liess, schuf Joan Miró 1944 auch zwei unter 20 cm grosse, aber kraftvoll-bullige Tonplastiken, die er Oiseau solaire und Oiseau lunaire taufte. Sie wurden in Bronze gegossen, später auch in grösseren Dimensionen. 1966 realisierte Miró dann eine in fünf Exemplaren gegossene Riesenfassung des Oiseau lunaire, von denen sich ein Exemplar in der Fondation Beyeler befindet. Während das Werk in der kleinen Grundfassung als bezaubernd wichtigtuerischer Winzling in Erscheinung tritt, füllt die grosse Fassung allein einen ganzen Raum. Dennoch ist der Schwung der Linien, die diesen Koloss eines krähenden Hahns formen, von der gleichen beseelten Leichtigkeit, die den Gemälden Mirós eigen ist, und nimmt dem dunkel-fröhlichen Giganten jede Schwere.

Joan Miró

1893, Montroig - 1983 Palma de Mallorca

Der spanische Maler, Graphiker und Bildhauer kam nach Malstudien in Barcelona 1919 nach Paris. Anfangs vom Kubismus beeinflusst; entwickelte ab 1924 einen weitgehend abstrakten, von Symbolen und figurativen Bildzeichen geprägten Stil, der ihn vorübergehend in den Kreis der Surrealisten führte. Die fantastischen, den Eindruck mikrokosmischer Fabelwelten hervorrufenden Gemälde und grafischen Arbeiten Mirós sind häufig humoristisch bis skurril gefärbt. Neben Gemälden fertige der vielseitige Künstler auch Skulpturen, Plastiken, Keramikarbeiten, Druckgrafiken und überlebensgroße Theaterpuppen an.

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