Fernand Léger

Fernand Léger
Le passage à niveau, 1912
Contraste de formes, 1913
La femme au fauteuil, 1913
Nature morte aux cylindres colorés, 1913
L’horloge, 1918
Les trois femmes et la nature morte, 1921
Nature morte, 1924
Feuilles et fruits, 1927
Nature morte au masque de plâtre, 1927
Composition I (Décoration pour une salle à manger), 1930
Les perroquets (Les acrobates), 1933
Les deux cyclistes, la mère et l’enfant, 1951
Le passage à niveau, 1912
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Fernand Léger
Le passage à niveau, 1912

Der Bahnübergang
Öl auf Leinwand, 94 x 81cm
Erworben mit Beitrag Kurt Schwank, Riehen
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Wer dieses Bild der Fondation mit Cézannes Sous-Bois vergleicht, wird Ähnlichkeiten finden: Hier wie dort sehen wir eine von beigen Farbflecken gebildete Zone, die – von Vegetation umrahmt – in die Tiefe führt. Wie vor ihm Picasso und Braque schliesst hier auch Léger an Cézanne an. Doch mittlerweile ist die Landschaft verändert: Wir sehen Strommasten (die Léger bei Rousseau entdeckt hatte), wir sehen links das Vorderteil, den Schornstein und den Rauch einer heranbrausenden Lokomotive – und wir sehen frei auf der Bildfläche schwebende Farbfelder. Im dichten Wechsel zwischen dynamisch geformten Farbflächen (die später Ellsworth Kelly so begeistern sollten) und einem Stakkato von Linien wirft Léger einen beschleunigten, modern neu rhythmisierten Blick auf die technisch eroberte Landschaft.

Contraste de formes, 1913
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Zurzeit im Museo Correr, Fondazione Musei Civici di Venezia

Fernand Léger
Contraste de formes, 1913

Formenkontrast
Öl auf Leinwand, 81x 65 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Walzenförmige Formmodule und Abstufungen vor allem der Farben der Trikolore – Blau, Weiss und Rot – bilden Légers Contraste de formes. Nur fügen sie sich hier nicht zu einer Figur zusammen, wie bei seinem Gemälde Femme au fauteuil, sondern bilden zusammen eine Struktur reiner, räumlich dynamisierter Form. Der Raum ist nicht im Sinne der Zentralperspektive zu einem imaginären Fluchtpunkt hin aufgebaut. Vielmehr wird er von hinten nach vorne aufgeschichtet. Formdarstellende Malerei schafft eine Art abstrakter Illusion von runden und flachen Körpern, wobei das Runde durch Weiss und Blau, das Flache durch Stapelung von meist roten Elementen gezeigt wird.

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La femme au fauteuil, 1913
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Fernand Léger
La femme au fauteuil, 1913

Frau im Lehnstuhl
Öl auf Leinwand, 130,5 x 97,5 cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Das Thema der sitzenden Frau hat nicht nur Cézanne, Picasso und Braque beschäftigt, sondern auch Léger, wie die Fondation Beyeler eindrucksvoll zeigt: Seine Femme au fauteuil sitzt monumental, wie aus Elementen einer metallenen Rüstung gebildet, in einem Fauteuil und legt ihre Pranke rechts unten neben eine Kaffeetasse. Léger widersetzt sich hier der Idee, der Maler müsse Illusion erzeugen. Denn in Wahrheit baut er sein Bild aus einzelnen Pinselstrichen: Das ist nicht wirklich eine Sitzende. Léger vergrössert die Striche zu Modulen, die wie Elemente einer Rüstung aussehen, setzt die Frau daraus zusammen und gibt dieser Konstruktion einen Farbklang aus dem Umfeld der Komplementärfarben. Damit schafft er ein Werk, das von Wirklichkeit und Malerei gleichzeitig handelt.

Nature morte aux cylindres colorés, 1913
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Fernand Léger
Nature morte aux cylindres colorés, 1913

Stillleben mit bunten Trichterformen
Öl auf Leinwand, 90 x 72,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Das Bild Nature morte aux cylindres colorés (mit einem weiteren Bildentwurf auf der Rückseite) verbindet rein Formales mit Gegenständlichem und bringt zusätzlich das Motiv im Raum drehender Körper ins Spiel. Léger war vom Technischen fasziniert, von der kühlen Ekstase der entfesselten Maschine: Sie wurde ihm zum Bild für die Innovationskraft der Kunst, die aus klar umrissenen Formen etwas Neues herstellt – ein kühles, poetisches Ballett des industriellen Zeitalters der Moderne.

L’horloge, 1918
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Zurzeit im Museo Correr, Fondazione Musei Civici di Venezia ausgestellt

Fernand Léger
L’horloge, 1918

Die Uhr
Öl auf grobem Gewebe, 50,7 x 61,5 cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Nach der existenziellen Erfahrung des Ersten Weltkriegs veränderte sich Légers Kunst. Zunehmend liess er den Klang und Rhythmus des modernen Lebens, der ihn in der Grossstadt umgab, in seine Bilder einfliessen und suchte nach einer Kunst der präzisen, monumentalen Heiterkeit. L’horloge ist dicht gefüllt mit verschiedensten Elementen einer industrialisierten Urbanität. Rechts sind Schiffstaue zu sehen, in der Mitte Maschinenelemente, Reklameschriften und die Titel gebende Uhr, die den kreativen Moment genau datiert. Neu ist das Verhältnis von Hinter- und Vordergrund: Es gibt keinen durchgehenden Grund, von dem sich vorne bestimmte Objekte abheben. Vielmehr verzahnen sich die Raumebenen zu einer gedrängten Konstruktion, die als Ganzes keinem gemeinsamen Raumgebilde verpflichtet ist.

Les trois femmes et la nature morte, 1921
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Zurzeit nicht ausgestellt

Fernand Léger
Les trois femmes et la nature morte, 1921

Die drei Frauen und das Stillleben
Öl auf Leinwand, 60 x 92 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Wie bereits Légers Hauptwerke von 1913 in der Fondation zeigen, ist das Zusammenfügen einzelner Formen zum Ganzen des Bildes ein zentrales Thema dieses „Plastikers der Malerei“. Dies gilt auch für seine späteren Werke. In Les trois femmes et la nature morte liegt eine Frau in metallisch wirkender Opulenz hingestreckt im Bild, während sich vor ihr zwei stehende kantige Figuren in der Vertikalen umarmt halten und zu einer einzigen Figuration verschmelzen. Auch in diesem Bild wirkt alles wie aus einzelnen Modulen zusammengesteckt, wobei Léger die verschiedenen Teile seines Körper-Puzzles, anders als 1913, mit einer homogenen Oberfläche ausstattet. Das liegende und stehende Raum-Gesteck der drei Figuren wiederholt sich in den flachen, geometrisierenden Strukturen des Hintergrundes.

Nature morte, 1924
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Zurzeit nicht ausgestellt

Fernand Léger
Nature morte, 1924

Stillleben
Öl auf Leinwand, 92 x 60 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Kräftige schwarze Linien – von denen zwei zusätzlich in gegenständlicher Weise mit den Tischbeinen verbunden sind – fixieren die Bildkomposition vertikal in der Bildfläche, lassen aber dazwischen Platz für kontrollierte Manifestationen von Räumlichkeit. Runde und eckige Formen, helle und dunkle Partien sind ebenfalls ausgesprochen ausgewogen tariert und machen aus diesem Bild ein Meisterstück moderner Malerei zwischen formaler Strenge und schlichter Alltäglichkeit.

Feuilles et fruits, 1927
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Zurzeit nicht ausgestellt

Fernand Léger
Feuilles et fruits, 1927

Blätter und Früchte
Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Nature morte au masque de plâtre, 1927
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Zurzeit im Musée National Fernand Léger ausgestellt

Fernand Léger
Nature morte au masque de plâtre, 1927

Stillleben mit Gipsmaske
Öl auf Leinwand, 88,5 x130 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Légers besonderes Interesse an der Darstellung des Plastischen im Bild findet in Nature morte au masque de plâtre Ausdruck in der weissen Gipsmaske, von der die Komposition dominiert wird. Zu ihr hin nimmt die Illusion der Räumlichkeit von beiden Seiten her zu. Wichtigstes Gegenelement im Sinne der Bildbalance ist die an einen Ventilator erinnernde Scheibe, die eine technische Kühle in die Komposition bringt. Sie bildet einen gewissen Kontrast zum Ernst, der von der Maske ausgeht, die an eine Totenmaske erinnert. In der Form einer abgebildeten Plastik – scheint Léger hier zu sagen – wird im Bild sogar der Mensch zum Stillleben.

Composition I (Décoration pour une salle à manger), 1930
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Zurzeit nicht ausgestellt

Fernand Léger
Composition I (Décoration pour une salle à manger), 1930

Komposition I (Dekoration für ein Esszimmer)
Öl auf Leinwand, 141x 291cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Léger befasste sich bereits in den 1920er Jahren intensiv mit der Konzeption architekturbezogener Bilder. Grosse Werke wie Composition I (Décoration pour une salle à manger) bringen diese dekorative Dimension von Légers Kunst zum Ausdruck. Hier lässt Léger in einer Art wandfüllendem Ballett ein Konglomerat aus zwei schwebenden Frauenkörpern mit der dekorativen Eleganz monumentaler Grafismen zusammentreffen.

Les perroquets (Les acrobates), 1933
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Zurzeit nicht ausgestellt

Fernand Léger
Les perroquets (Les acrobates), 1933

Die Papageien (Die Akrobaten)
Öl auf Leinwand, 130 x162 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Vor leuchtend gelbem Hintergrund steht eine Gruppe von Akrobaten – nicht zuletzt seit Picasso ein wichtiges Thema der Moderne in Frankreich. Das Bild gehört zu den Hauptwerken einer ganzen Familie von Gemälden, in denen die gleichen oder ähnliche Figuren in jeweils anderer Variation miteinander kombiniert werden. Dafür charakteristisch ist, dass das Bild zwar keinen der im Titel genannten Papageien zeigt, ein solcher aber in einer verwandten Komposition zu sehen ist. Insgesamt finden wir hier eine neue Ausprägung von Légers additivem Prinzip, das sich im Bau der einzelnen Figuren wiederholt: So wirken etwa die Arme der Tänzerin links oben wie lose, an den Gelenkstellen vor den Rumpf gelegte Glieder eines Hampelmanns. Resultat dieser zwanglos konstruierten Körperlichkeit ist eine gelöste Monumentalität von wandbildartigem Charakter.

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Les deux cyclistes, la mère et l’enfant, 1951
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Fernand Léger
Les deux cyclistes, la mère et l’enfant, 1951

Die zwei Radfahrer, Mutter und Kind
Öl auf Leinwand, 162 x114 cm
Foto: Cantz Medienmanagement, Ostfildern

Eine spannende Weiterentwicklung von Légers Kunst zeigt das späte Les deux cyclistes, la mère et l’enfant. Hier wird Légers charakteristischer Figurenbau ergänzt durch das Motiv einer von der Figurenzeichnung losgelösten, bunten Farbigkeit. Léger hatte in New York auf der Strasse solche Farbprojektionen gesehen. Sie zitieren zudem die in Picassos und Braques kubistischen Papiers collés angewandte Methode der Trennung von Zeichnung und Farbe und kündigen darüber hinaus die Arbeit von Künstlern wie Ellsworth Kelly an. Was Légers Einfluss auf die amerikanische Kunst angeht, ist weiter zu erwähnen, dass Baumdarstellungen wie jene oben links von Roy Lichtenstein wörtlich zitiert wurden. Léger verbindet also Cézanne und die Pop Art!

Fernand Léger

1881, Argentan (Normandie) – 1955, Gif-sur-Yvette

Der französische Maler machte früh künstlerische Studien u.a. an der Académie Julian in Paris. Anfang des neuen Jahrhunderts entstehen die ersten vom Impressionismus beeinflussten Gemälde. Von Cézanne beeindruckt, löst er sich vom Impressionismus und findet 1909 zu einem eigenen Stil. Er schliesst sich den Kubisten Picasso und Braque an, die sich alsbald zur Gruppe „Section d’Or“ formieren. Nach seinem Kriegsdienst von 1914 bis 1917 Beginn der „mechanischen“ Periode. 1925 entsteht sein erstes Wandgemälde für ein Gebäude von Le Corbusier. Zusammen mit Amédée Ozenfant unterrichtet er 1929 an der Académie moderne. Er wird Mitglied der Künstlervereinigung »Cercle et carré«. Anfang der 30er Jahre reist er nach Österreich, in die USA, nach Schweden und Norwegen, in die Schweiz und nach Griechenland. Nach der Besetzung Frankreichs emigriert er 1940 in die USA, wo er bis 1945 lebt. Dort übt er neben seiner bildkünstlerischen und filmischen Arbeit auch eine Lehrtätigkeit aus. 1945 kehrt er nach Paris zurück und wird Mitglied der Kommunistischen Partei. Ende der 40er Jahre beginnt er mit keramischen Arbeiten.

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