Stammeskunst Ozeanien

Stammeskunst Ozeanien
Figur eines Kulturheroen oder Schöpferahns
Figur eines Ahnen
Jagdhelferfigur, yipwon
Jagdhelferfigur, yipwon
Durchbrochen geschnitzte Brettfigur, malu-samban, Malu-»Aufhängehaken«
Männliche Figur, nalik, 19. Jahrhundert
Männliche Figur, nalik, 18./19. Jahrhundert
Kampfschild, jamasi
Kopf einer lebensgrossen malanggan-Puppe, kovabat (nach Mike Gunn: »Kopf-Regen«)
Maske, wowoi susu / gitvung susu
Schallrohr-Maske, vungvung (auch vungbungka, Zentral-Baining) oder vurbracha (Chachet-Baining) 20. Jahrhundert
Maske, kepong oder matua
Kopf einer lebensgrossen malanggan-Puppe, kovabat (Mike Gunn) oder mandas (Augustin Krämer) mit Vogel
Zepter, hoeroa, 18. /19. Jahrhundert
Maske, le op, »Mensch-Gesicht«, vermutlich 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Tanzpaddel, rapa
Figur eines Kulturheroen oder Schöpferahns
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Figur eines Kulturheroen oder Schöpferahns

Biwat-Gruppe, Yuat-Fluss, Gebiet des Unteren Sepik, Nordost-Neuguinea,
Melanesien
Holz, rötlicher Tonschlicküberzug, Fransenschurz, Knochendolch, 197 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Die männliche Figur, die einen weiblichen Fransenschurz trägt, war für das Haus eines Ältesten des Stamms der Mundugumor bestimmt. Einerseits hat sie wohl mythische Bedeutung: Sie erinnert an einen innerhalb Neuguineas wandernden Ahn, der bei seinem Tod seine drei Brüder bat, sich auf ihn zu setzen, um sich von den Menschen forttragen zu lassen; deshalb befindet sich der Kopf eines Bruders, quasi sein Spiegelbild, auf seinem Leib. Andererseits ist die Figur kultisches Helferidol bei Kriegen und auf der Jagd. Beeindruckend ist, wie sie aus kubischen, stark von der Wirklichkeit abstrahierenden Elementen zusammengesetzt ist.

Figur eines Ahnen
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Figur eines Ahnen

Östliche Iatmul oder südliche Nachbarn, Gebiet des Mittleren Sepik einschliesslich der südlichen Nebenflüsse Blackwater und Korewori, Nord-Neuguinea, Melanesien
Holz, bemalt, ohne Sockel 136,7 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

In der Vorstellungswelt vieler Völker Melanesiens sind die Ahnen aus der Vorzeit Vorbilder, denen man nachstrebt. In mannigfaltiger Weise werden sie verehrt, wobei ihnen zu unterschiedlichen Anlässen viele Kultbilder gewidmet werden. Besonders interessant ist die ornamental-abstrahierende Übersetzung des menschlichen Körpers in Zeichen. Bei dieser Figur ist das gut zu sehen: Das Gerüst eines Körpers wird angedeutet; Kopf, Beine, aus der Brust herauswachsende Arme sind zu erkennen. Der nur auf eine Art Stab reduzierte Leib setzt sich im Penis fort. Die Figur wirkt durch das Spiel von Material und Freiraum plastisch, ist aber nur frontal ansichtig.

Jagdhelferfigur, yipwon
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Jagdhelferfigur, yipwon

Yimar-Dörfer, oberer Korewori-Fluss, Gebiet des südlichen Sepik, Nordost-Neuguinea, Melanesien
Holz, Kasuarfedern, 275 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Die sogenannten Hakenfiguren sind nur im Profil zu sehen. Feste Form umschreibt freien Raum und erzeugt dadurch den Eindruck von Volumen, von etwas, das zur Figur gehört, aber immateriell ist. Die künstlerische Form, die mythische Bedeutung und die praktische Funktion der Skulptur als Jagdhelfer gehen eine Symbiose ein, denn nur das Sichtbare des Jagdhelfers ist dargestellt. Die Jagdhelferseele, als weitere Dimension der Figur, wird angedeutet. Sie ist es, die die Seele des Tiers jagt und dadurch die reale Jagd der Menschen erst möglich macht.

Jagdhelferfigur, yipwon
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Jagdhelferfigur, yipwon

Yimar-Dörfer, oberer Korewori-Fluss, Gebiet des südlichen Sepik, Nordost-Neuguinea, Melanesien
Holz, Kasuarfedern, 220 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Die sogenannten Hakenfiguren sind nur im Profil zu sehen. Feste Form umschreibt freien Raum und erzeugt dadurch den Eindruck von Volumen, von etwas, das zur Figur gehört, aber immateriell ist. Die künstlerische Form, die mythische Bedeutung und die praktische Funktion der Skulptur als Jagdhelfer gehen eine Symbiose ein, denn nur das Sichtbare des Jagdhelfers ist dargestellt. Die Jagdhelferseele, als weitere Dimension der Figur, wird angedeutet. Sie ist es, die die Seele des Tiers jagt und dadurch die reale Jagd der Menschen erst möglich macht.

Durchbrochen geschnitzte Brettfigur, malu-samban, Malu-»Aufhängehaken«
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Durchbrochen geschnitzte Brettfigur, malu-samban, Malu-»Aufhängehaken«

Sawos oder Iatmul, Gebiet des Mittleren Sepik, Nord-Neuguinea, Melanesien
Holz, Spuren roter und weisser Bemalung, 168 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Es liegt nahe, diese Figur im Zusammenhang mit Henri Matisse’ grossen Dekorationen Océanie – le ciel, la mer auszustellen: Hier wie dort scheint ein ganzes Universum ornamental abgebildet zu sein; beide Werke spielen mit dem Verhältnis von Form und Zwischenraum. Dargestellt ist ein Gesicht mit einer fischförmigen länglichen „Nase“, auf deren Seiten jeweils ein Papagei abgebildet ist. Weiter tragen zwei ineinander verflochtene Nashornvögel zwischen ihren Schnäbeln einen Gegenstand, der in der Gesamtkomposition der Figur genau die Mittelachse markiert. Die Skulptur wird als malu-samban bezeichnet, was wahrscheinlich „Aufhängehaken des malu“ und damit eine Art figürlicher Stellvertretung für einen Menschen bedeutet; malu war in der Vorstellung der Sawos der erste Mensch.

Männliche Figur, nalik, 19. Jahrhundert
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Männliche Figur, nalik, 19. Jahrhundert

Verwendet für »uli«-Feiern Vermutlich Inland von Neuirland (Gebiet der Mandak-Sprachfamilie), Nord-Melanesien
Holz, bemalt, eingesetzte Augen aus »Turbo petholatus«-Schneckenschalen, 140 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Bei den uli-Feiern auf Neuirland wurden Übergangsriten vom Leben zum Tod zelebriert, das heißt vom Leben zu einer anderen, nicht sichtbaren Existenz. Die ausserordentlich expressiven nalik-Figuren spielten dabei eine wichtige Rolle. Sie wurden am Ende der Feiern in den Zeremonialhäusern aufgestellt und repräsentieren den Mond als Verkörperung weiblicher Fruchtbarkeit und männlicher Regenerationskraft; deshalb vereinigen sie weibliche und männliche Elemente in sich. Besonders faszinierend ist die grössere der beiden Skulpturen, eine der bedeutendsten bekannten Arbeiten dieser Art: Indem sie auf einer anderen Figur zu stehen scheint und von dieser getragen wird, weist sie auf den Mondzyklus hin.

Männliche Figur, nalik, 18./19. Jahrhundert
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Männliche Figur, nalik, 18./19. Jahrhundert

Verwendet für »uli«-Feiern Malom, Nordostküste, Neuirland, Melanesien
Holz, bemalt, z.T. über Fassung aus Kreide oder Kalk, Bart aus Pflanzenfasern, Schneckenschalen, 182 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Bei den uli-Feiern auf Neuirland wurden Übergangsriten vom Leben zum Tod zelebriert, das heißt vom Leben zu einer anderen, nicht sichtbaren Existenz. Die ausserordentlich expressiven nalik-Figuren spielten dabei eine wichtige Rolle. Sie wurden am Ende der Feiern in den Zeremonialhäusern aufgestellt und repräsentieren den Mond als Verkörperung weiblicher Fruchtbarkeit und männlicher Regenerationskraft; deshalb vereinigen sie weibliche und männliche Elemente in sich. Besonders faszinierend ist die grössere der beiden Skulpturen, eine der bedeutendsten bekannten Arbeiten dieser Art: Indem sie auf einer anderen Figur zu stehen scheint und von dieser getragen wird, weist sie auf den Mondzyklus hin.

Kampfschild, jamasi
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Kampfschild, jamasi

Nordwestliche, evtl. zentrale Asmat, Südwest-Neuguinea (Irian Jaya), Melanesien
Holz, bemalt, Faserbüschel, 139 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Die Schilder der Asmat dienen nicht nur als Schutz im Kampf; sie veranschaulichen auch Tradition und Generationenfolge. Jedes der Schilder hat einen eigenen Namen, nämlich den eines verstorbenen Verwandten, dessen Bild sich oben als Kopf befindet. Sie werden an Nachkommen, also offenbar nicht ausschliesslich vom Vater an den Sohn, vererbt. Darüber hinaus hat der Schild Geister abwehrende Funktion. In ähnlicher Stärke wie das Unheil Abwehrende der Ornamente auf die Asmat gewirkt haben mag, beeindrucken die sich wiederholenden asymmetrischen Formen und die Farbfassung des Holzreliefs auch uns: Hier erkennt man, dass Formen moderner Abstraktion sich auch in der aussereuropäischen Kunst finden.

Kopf einer lebensgrossen malanggan-Puppe, kovabat (nach Mike Gunn: »Kopf-Regen«)
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Kopf einer lebensgrossen malanggan-Puppe, kovabat (nach Mike Gunn: »Kopf-Regen«)

Tabar-Inseln, Neuirland, Melanesien
Holz, schwarz bemalt, 58,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Der suggestiven Expressivität des schwarzen, rundplastisch-wuchtigen und stark stilisierten Hauptes kann man sich nur schwer entziehen: Solche Köpfe gehörten zu lebensgrossen Puppenbälgen aus Pflanzenfasern, denen auf den Tabar-Inseln vor Neuirland eine regenzauberische Wirkung nachgesagt wurde. Unter dem Begriff malanggan oder malagan wird die gesamte, von Dorf zu Dorf oft sehr unterschiedliche Festkultur in der Region Neuirland zusammengefasst; sie hat meist etwas mit Übergangsriten bei Totenfeiern zu tun.

Maske, wowoi susu / gitvung susu
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Maske, wowoi susu / gitvung susu

Sulka, Südost-Neubritannien, Melanesien
Pflanzliche Materialien wie Mark, Palmblätter, leichtes Holz und Federn (u. a. des Kasuars), 2 Böden von Konusschnecken, 110 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

In den susu-Masken der Sulka sind Formen menschlicher und tierischer Gestalt vereinigt. Sie bestehen ganz aus pflanzlichen Stoffen, mit Ausnahme von Kasuar- (Straussen-) Federn und Schneckenböden, und bedecken die Körper der Träger vollständig. Die schwarz eingefärbten Zähne deuten darauf hin, dass diese Masken bei Initiationsriten getragen wurden.

Schallrohr-Maske, vungvung (auch vungbungka, Zentral-Baining) oder vurbracha (Chachet-Baining) 20. Jahrhundert
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Schallrohr-Maske, vungvung (auch vungbungka, Zentral-Baining) oder vurbracha (Chachet-Baining) 20. Jahrhundert

Baining, Gazelle-Halbinsel, Neubritannien, Melanesien
Baumbaststoff, bemalt, über Traggestell und Bambusrohr, Kakadufedern und Hühnerflaum, ca. 200 x 350 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Die ausserordentlich eindrucksvolle Maske besteht aus einem Mittelteil, aus dem vorne ein stilisiertes Gesicht wächst, während sich dahinter eine Art „Federantenne“ befindet; nach vorne ragt ein mit Ornamenten und Federn verziertes Schallrohr. Nach hinten ausbalanciert wird das Ganze durch einen Stab, der ebenso wie das Schallrohr, das Mittelteil und das Gesicht mit ornamental bemaltem Baumbast überzogen ist. Die Maske wurde bei nächtlichen Tänzen im Schein grosser Feuer getragen. Sie ist wohl nur Teil eines viel grösseren Gebildes, das ein Spinnennetz darstellen soll. Spinnen, denen Beziehungen zu Waldgeistern nachgesagt werden, haben grosse Bedeutung für den Stamm der Chachet-Baining.

Maske, kepong oder matua
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Maske, kepong oder matua

Neuirland, Melanesien
Holz der Alstonia sp., bemalt, bedruckter europäischer Baumwollfetzen, 76 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Solche matua-Masken stellen bei mallanggan-Zeremonien, die der Verabschiedung von Verstorbenen aus der Dorfgemeinschaft dienen, deren Seelen oder auch Buschgeister dar. Sie sind Ausdruck eines Tabus zu Ehren des Toten, das so lange in Kraft ist, bis die Maske in stummen Tänzen durch das Dorf getragen und danach im Masken-Schauhaus aufgestellt wird.

Kopf einer lebensgrossen malanggan-Puppe, kovabat (Mike Gunn) oder mandas (Augustin Krämer) mit Vogel
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Kopf einer lebensgrossen malanggan-Puppe, kovabat (Mike Gunn) oder mandas (Augustin Krämer) mit Vogel

Vermutlich Lemakot, Nord-Neuirland, Melanesien
Holz, bemalt, eingesetzte Augen aus »Turbo petholatus«-Schneckenschalen, 77 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Genaue Herkunft und genaue Bezeichnung dieser wuchtig, ja fast grob und expressiv wirkenden Maske sind nicht bekannt. Wahrscheinlich ist sie die bildliche Fixierung eines mächtigen mythischen Ahnen. Stilistisch lässt sie sich einem ähnlichen Objekt der Fondation zuordnen. Hier wie dort handelt es sich um eine Maske, die mit Regenzauber in Verbindung gebracht wird.

Zepter, hoeroa, 18. /19. Jahrhundert
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Zepter, hoeroa, 18. /19. Jahrhundert

Maori, Nordinsel von Neuseeland (Aotearoa)
Walknochen, 146 x 9 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Das Objekt besticht durch seine elegante Form und den Kontrast von Fläche und kleinteilig ausgearbeitetem Ornament oben und in der Mitte an den Seiten. Solche Knochenstäbe werden mit Clanchefs in Verbindung gebracht, die diese mit sich führen, um „damit die Reihe der menschlichen Generationen bis zu den göttlichen Vorfahren im Gedächtnis zu behalten. […] Der Sinnzusammenhang erscheint in verständlicherem Licht, wenn man weiss, dass nach Auffassung der Maori Menschen gemeinsamer Abstammung aus dem gleichen Urkanu stammen und sich gegenseitig etwa auch als Leute vom gleichen Knochen bezeichnen“ (Christian Kaufmann).

Maske, le op, »Mensch-Gesicht«, vermutlich 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
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Maske, le op, »Mensch-Gesicht«, vermutlich 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Insel Mer, östliche Inseln der Torresstrasse (zwischen Australien und Ost-Neuguinea)
Schildpatt, menschliches Haar, Spuren roter Bemalung, 41cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Solche aus dem Schildpatt des Schildkrötenpanzers gefertigten Masken werden offenbar nur auf den Inseln in der Torres-Strasse hergestellt. Die kultische Bedeutung der Maske liegt im Dunkeln; man weiss, dass in dieser Region Schildkröten als Vermittler zwischen Menschen und den göttlichen Schöpferahnen gelten. Das Werk ist mit seinem stilisierten Gesicht, dem Menschenhaar und den gefletschten Zähnen ebenso beeindruckend wie unheimlich; hier besonders – aber nicht nur hier! – wird deutlich, wie wenig wir von den kulturellen Zusammenhängen wissen, in denen diese Objekte entstanden sind.

Tanzpaddel, rapa
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Tanzpaddel, rapa

Osterinsel (Rapa Nui)
Holz, 76,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Formal eines der schönsten Objekte der Sammlung aussereuropäischer Kunst, stellt dieses in nicht genau bekanntem kultischem Zusammenhang gebrauchte Paddel einen stark stilisierten Menschen dar. Die Augenlinien umschreiben auch die Ohren und vereinigen sich in der Nasenlinie. Der Körper ist in einer Tropfenform angedeutet, und der damit verbundene stabförmige Fortsatz lässt sich als Penis interpretieren. Das Paddel wurde wahrscheinlich bei Kriegstänzen getragen und dabei herumgewirbelt, um Schrecken einzujagen.

Die Erkenntnis, dass von westlicher Zivilisation nicht berührte Völker Kunstwerke von eigenständiger Bedeutung und grosser Ausdruckskraft schaffen, war für die Kunst der Moderne von grosser Wichtigkeit. Künstler wie Picasso und Matisse sammelten nicht nur aussereuropäische Kunstwerke, sondern liessen sich auch von deren Formen und ihrer Wirkungsmacht anregen. Bestes Beispiel dafür ist Picassos Femme von 1907 in der Fondation, deren Gesichtsform von afrikanischen Masken inspiriert ist. Es ist daher konsequent, einer Sammlung moderner westlicher Kunst auch aussereuropäische Kunst hinzuzufügen, wie dies Hildy und Ernst Beyeler taten. Auch wenn diese Werke ihrer eigentlichen Funktion als kultisch verehrte Bilder mit überirdischen Fähigkeiten entzogen werden, sind sie im Museum doch in der Überzeugung aufgestellt, dass sie gleichberechtigt neben den Werken der modernen Kunst bestehen. Ist zudem die Präsentation dieser religiös inspirierten Werke zusammen mit den Bildern der grossen Meister der Moderne nicht eine angemessene Form der Aufstellung ausserhalb des Kulturraums, aus dem sie stammen?

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