Alberto Giacometti

Alberto Giacometti
Femme assise, 1946
L’homme qui marche sous la pluie, 1948
La cage (première version), 1950
Sculptures, 1950
Intérieur à Stampa, 1951
La rue (Angle de la rue Hippolyte-Maindron et de la rue du Moulin-Vert), 1952
Femme de Venise VIII, 1956
Aïka, 1959
Grande femme III, 1960
Grande femme IV, 1960
Grande tête, 1960
L’homme qui marche II, 1960
Caroline, 1961
Isaku Yanaihara, 1961
Elie Lotar III (assis), 1965
Femme assise, 1946
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Zurzeit nicht ausgestellt

Alberto Giacometti
Femme assise, 1946

Sitzende Frau
Bronze, Exemplar 2/6, Susse Fondeur Paris, 77 x14,5 x19 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Das entwaffnend einfache Thema der Skulptur ist das Sitzen, wobei im Unklaren bleibt, worauf die Frau sitzt, denn ihre Beine und die Stuhlbeine entsprechen einander. Dieses Spiel mit den Erwartungen des Betrachters und die Fragilität der Figur, die auf wenige Linien im Raum reduziert ist, überhöhen das Werk. Die Vorlage für den Guss war eine Drahtarmierung mit einer darauf angebrachten dünnen modellierten Gipsschicht, deren Struktur sichtbar geblieben ist. Die Beaufsichtigung der ausserordentlich schwierigen Ausführung des Giessens und die Patinierung ist eine der grossen Leistungen des Bruders Diego Giacometti, der einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der technischen Umsetzung der Ideen Albertos hatte.

L’homme qui marche sous la pluie, 1948
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
L’homme qui marche sous la pluie, 1948

Schreitender Mann im Regen
Bronze, Exemplar 1/6, Alexis Rudier Fondeur Paris, 47,5 x 77,5 x15,5 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Kurz vor und während der Zeit des Zweiten Weltkrieges setzte sich Alberto Giacometti mit dem Problem des Verhältnisses zwischen der Figur und dem sie umgebenden Raum auseinander und stürzte dabei in eine Krise: Seine Plastiken wurden immer kleiner, so dass er sie sogar in Streichholzschachteln unterbringen konnte, wenn sie nicht schon bei der Arbeit unter seinen Händen zerbröselt waren. Ein Ausweg, der sich ihm bot, war die Reduktion der Figur auf ein essentielles Zeichen. Damit fand Giacometti nicht nur zu seinem Spätstil, der ihn weltberühmt machen sollte, sondern es wurde ihm nun auch möglich, in verschiedenen Grössen zu arbeiten. Das hier dargestellte figürliche Zeichen ist das Gehen an sich, vermutlich das zügige Gehen im Regen − worauf der Titel hinweist. Die Figur bewegt sich auf einer Fläche, die über einem blockförmigen Sockel zu schweben scheint und mit ihm zu einer exemplarischen Einheit wird.

La cage (première version), 1950
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Zurzeit im Musée cantonal des Beaux Arts in Lausanne ausgestellt

Alberto Giacometti
La cage (première version), 1950

Der Käfig (erste Fassung)
Bronze, Exemplar Fondation Beyeler, Susse Fondeur Paris, 91x 36,5 x 34 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Eines der Hauptthemen von Alberto Giacomettis Kunst ist die Verankerung der Figur im Raum: nicht nur durch ihre plastische Darstellung allein, sondern auch durch die Gestaltung des sie umgebenden Raums. Das Motiv des Käfigs, mit dem sich der Künstler schon in seiner surrealistischen Phase beschäftigt hatte, ist also nicht nur als etwas Einengendes zu verstehen, sondern auch als etwas, das die Entfaltung von Skulptur definiert, wobei der Betrachter dies von aussen, also aus einem viel grösseren Raum, wahrnimmt.

Sculptures, 1950
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Zurzeit im Musée cantonal des Beaux Arts in Lausanne ausgestellt

Alberto Giacometti
Sculptures, 1950

Skulpturen
Bleistift auf Papier, 63 x 48 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Intérieur à Stampa, 1951
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Zurzeit nicht ausgestellt

Alberto Giacometti
Intérieur à Stampa, 1951

Interieur in Stampa
Bleistift auf Papier, 50 x 32,5 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

La rue (Angle de la rue Hippolyte-Maindron et de la rue du Moulin-Vert), 1952
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
La rue (Angle de la rue Hippolyte-Maindron et de la rue du Moulin-Vert), 1952

Die Strasse (Strassenecke Rue Hippolyte-Maindron und Rue du Moulin-Vert)
Öl auf Leinwand, 73 x 54 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Femme de Venise VIII, 1956
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Zurzeit in der Galleria Borghese in Rom ausgestellt

Alberto Giacometti
Femme de Venise VIII, 1956

Frauenfigur für Venedig VIII
Bronze, Exemplar 6/6, Susse Fondeur Paris, 121x15,1x 33,2 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Aïka, 1959
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
Aïka, 1959

Öl auf Leinwand, 92 x 72,8 cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Die drei Porträts von Alberto Giacometti in der Fondation Beyeler sind exemplarisch für seinen malerischen Spätstil. Wie bei Spätwerken von Matisse und Picasso erkennt man auch bei Giacometti das Bestreben, eine Symbiose aus Zeichnung, Malerei und Skulptur zu schaffen. Aïka Sapone, damals 15 Jahre alt, war die Tochter eines Schneiders aus Giacomettis Bekanntenkreis. Sie konnte ihm nur nachmittags sitzen; nachts überarbeitete er das Ergebnis des Tages, um das Resultat dann drei Wochen lang immer wieder am Tag vor dem Modell zu überprüfen.

Grande femme III, 1960
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
Grande femme III, 1960

Grosse Frau III
Bronze, Exemplar 6/6, Susse Fondeur Paris, 237 x 31x 54 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Grande femme IV, 1960
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
Grande femme IV, 1960

Grosse Frau IV
Bronze, Exemplar 3/6, Susse Fondeur Paris, 270 x 33 x 58 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Grande tête, 1960
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Zurzeit nicht ausgestellt

Alberto Giacometti
Grande tête, 1960

Grosser Kopf
Bronze, Exemplar 6/6, Susse Fondeur Paris, 95 x 30 x 33 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

L’homme qui marche II, 1960
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
L’homme qui marche II, 1960

Schreitender Mann II
Bronze, Exemplar 4/6, Susse Fondeur Paris, 189 x 26 x110 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Caroline, 1961
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
Caroline, 1961

Öl auf Leinwand, 100 x 82 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Alberto Giacometti hat, ähnlich wie bei den Plastiken, seine Porträts − hierbei vor allem die Gesichter − immer wieder überarbeitet und damit den zweidimensionalen Gemälden einen plastischen Ausdruck gegeben. Ihm ging es wohl weniger um das Wesen seiner Modelle; die absolute Konzentration auf das Sehen, auf den Augenkontakt zwischen Modell und Künstler/Betrachter geben den Personen eine existenzielle Präsenz, die konventionelle Porträtkunst weit hinter sich lässt. Die unter dem Namen Caroline verkehrende Dame der Halbwelt vom Montparnasse hatte eine nicht ganz zu ergründende Beziehung zu Giacometti. Er finanzierte ihren aufwändigen Lebensstil, war fasziniert von ihrem risikoreichen Leben und fand wohl gerade wegen ihrer zweifelhaften Existenz bei ihr die Anregung zur absoluten Konzentration künstlerischen Arbeitens.

Isaku Yanaihara, 1961
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
Isaku Yanaihara, 1961

Öl auf Leinwand, 100 x 81cm
Foto: Peter Schibli, Basel

Alberto Giacomettis Porträts bestehen eher aus Linien als aus Farbwerten; man könnte seinen Malstil als extrem verdichtete Zeichnung beschreiben. Isaku Yanaihara, ein japanischer Philosophieprofessor und grosser Bewunderer von Giacomettis Werk, hatte die für die Arbeit des Künstlers wichtige Fähigkeit, in sich ruhend und konzentriert absolut ruhig zu sitzen. Sein Verhältnis zu Giacometti war nicht unproblematisch; er soll auch eine Affäre mit dessen Frau Annette gehabt haben.

Elie Lotar III (assis), 1965
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Zurzeit in der Fondation Beyeler ausgestellt

Alberto Giacometti
Elie Lotar III (assis), 1965

Elie Lotar III (sitzend)
Bronze, Exemplar 8/8, Susse Fondeur Paris, 66 x 27,5 x 35 cm
Foto: Robert Bayer, Basel

Als Alberto Giacometti im Dezember 1965 todkrank nach Chur reiste, wo er am 11. Januar 1966 starb, liess er das in Ton ausgeführte Werk in Paris zurück; er hatte es gegen das Austrocknen in nasse Tücher gewickelt. Nach seinem Tod verfertigte sein Bruder Diego acht Abgüsse, von denen er einen auf das Grab Albertos stellte. Elie Lotar, ein Fotograf und Kameramann, gehörte zum Halbweltmilieu von Montparnasse; zeitweise liess er sich von Alberto aushalten. Inspirierend für Giacometti waren der markante kahle Kopf und die Fähigkeit Lotars, absolut still zu sitzen. Ausserdem war der Künstler wohl fasziniert davon, eine gescheiterte Existenz in einer auf das Wesentliche reduzierten Form darzustellen, die sich auf das Schauen an sich und auf die ruhende Anspannung des Sitzens konzentriert.

Alberto Giacometti
Alberto Giacometti
Alberto Giacometti
Alberto Giacometti
Alberto Giacometti

1901, Borgonovo bei Stampa – 1966, Chur

Studiert ab 1919 in Genf und ab 1922 in Paris. Ende der 20er Jahre entstehen erste surrealistische Skulpturen. Mitte der 30er Jahre löst er sich wieder vom Surrealismus. Obwohl inzwischen international anerkannt, ist er noch immer auf Broterwerb angewiesen: zusammen mit dem Bruder Diego schafft er kunstgewerbliche Gegenstände wie Möbel und Lampen. Das Jahrzehnt bis 1945 ist geprägt von der Suche nach neuer Gestaltung des Verhältnisses von Figur und Raum, die auch durch die Freundschaft mit Picasso und Jean-Paul Sartre geprägt ist. 1950 findet die erste Retrospektive in Basel statt. Vom dortigen Kunstmuseum werden erstmals Werke Giacomettis für eine öffentliche Kunstsammlung erworben. An der Biennale d’Arte in Venedig nimmt er erstmals 1956 in der französischen Sektion teil, beim zweiten Mal 1962 erhält er den Grossen Preis für Skulptur. Weitere Ehrungen in den 60er Jahren sind der Grosse Preis für Skulptur des Carnegie Institute, Pittsburgh (1961), der New Yorker Guggenheim-Preis für Malerei (1964) und die Ehrendoktorwürde der Universität Bern (1965).

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