Günther Förg

Installationsansicht
Installationsansicht
Installationsansicht
Installationsansicht
Günther Förg 27. November 2009 - 28. Februar 2010

Die Fondation Beyeler präsentiert ein Ausstellungsprojekt von Günther Förg (1952-2013), das aus Wandmalerei und 21 Fotografien besteht. Förg lebt und arbeitet in München und Colombier in der Schweiz. Seit 1999 lehrt er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. Spätestens seit seiner Teilnahme an der documenta IX (1992) gilt er als einer der interessantesten deutschen Künstler seiner Generation. Günther Förg arbeitet mit einer Vielzahl von Medien: Zeichnung, Aquarell, Malerei, Fotografie oder Skulptur stehen einander als gleichberechtigte Ausdrucksweisen gegenüber.

Für die Fondation Beyeler hat Förg eine stringente Bildinszenierung geschaffen, in der er Wandmalerei und Fotografie in einen vibrierenden Stimmungsraum überführt. Die Wandmalerei versetzt den grossen Raum in ein spezifisches Kontinuum: Er wird von der Farbe gleichsam umklammert und »eingestimmt«. Dahinter steckt ein klares Kalkül. So sind die beiden schmalen Abschlusswände mit einem tiefdunklen, blauhaltigen Paynesgrau bemalt, während die etwa 50 Meter lange, durchgehende Hauptwand annähernd je hälftig mit einem Caput mortuum und einem Chromoxydgrün gefasst ist. Und die restlichen freien Wände sind in ein neutrales mittleres Grau getaucht.

Diese spezifische Farbigkeit erfüllt den Raum mit einer ebenso irritierenden wie intensiven Stimmung aus konkurrierenden warmen und kalten Farbtönen, in der sich eine Folge von 21 grossformatigen Fotografien (je 180 x 120 cm) präsentiert. Es handelt sich um eine Auswahl früher Architekturaufnahmen, in denen sich Förg grundsätzlich mit zentralen Fragen und ausgewählten Architekturen der Moderne auseinandergesetzt hat: Sie zeigen das Haus Lange in Krefeld, den Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe, das Haus Wittgenstein in Wien, die singuläre Villa Malaparte auf Capri und Hans Poelzigs IG-Farben-Haus in Frankfurt am Main. Es sind Fensteransichten, die den Blick auf die immer von innen gesehenen Übergänge zum Aussenraum lenken. Das Bild wird so im Sinne jener berühmten Fenstermetapher thematisiert, gemäss der es als Sicht in eine andere Welt erscheint.

Die Fotografien sind positive Abzüge von Farbnegativen als schwarz-weisse Prints, in denen die Lichtverhältnisse auf den Kopf gestellt werden. Der illusionistische Abbildungseffekt der Fotografie verliert sich damit in vagen Traumbildern. Die Klarheit der Architektur der Moderne löst sich in melancholisch unterlegte Spekulationen auf – ein Befund, der durch den Ausblick in die herbstlich gedämpfte Landschaft hinter der Fondation Beyeler je nach Wetterlage bestärkt oder infrage gestellt werden mag.

Station