In seinem Spätwerk widmet sich Ferdinand Hodler besonders intensiv dem Selbstbildnis. In seinen späten Selbstporträts lenkt nichts mehr vom Gesicht des Malers ab: Er hat es zur Meisterschaft gebracht, Realismus und Innenschau miteinander zu verbinden. Wie alpine Landschaften modelliert der Maler das zerfurchte und oft ernste Gesicht mit zunehmend sichtbarerem Pinselstrich.
Wie keinem anderen Maler ist es Ferdinand Hodler gelungen, Bildformeln für die Ansicht von Schweizer Bergen und Bergketten zu finden. Viele seiner einmal gefundenen Sujets wiederholte er auch im Spätwerk oft und entwickelt sie weiter, so etwa die Stockhornkette mit Thunersee, die Dents du Midi, den Grammont oder die Jungfrau. Sein Repertoire umfasst aber auch kleinere Ausschnitte, wie die Serie von Bergbächen bei Champéry. Auch das imposante Jungfraumassiv mit dem Schwarzmönch im Vordergrund stellt Hodler in einer Nahansicht dar, als ob er die beiden Gipfel mit dem Fernglas herangeholt hätte. Gerade deshalb wirkt die dargestellte Szenerie überhöht.
Oft sind die Bergansichten Hodlers auch als Selbstbildnisse verstanden worden: Der einsame Gipfel als Sinnbild für Lebenskraft und Standhaftigkeit des Individuums oder aber als Symbol seiner Einsamkeit.
In seinen letzten Lebensmonaten widmete sich Ferdinand Hodler fast ausschliesslich der Darstellung des Genfersees mit Mont Blanc in wechselndem Tageslicht. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes konnte er seine Genfer Wohnung nur noch selten verlassen und malte deshalb, was sich ihm von seinem Fenster aus darbot. So entstand die berühmte, über 20 Gemälde umfassende Serie, die das Zusammenspiel der Wasser- und Himmelsfläche mit der sich davon abhebenden Bergkette in wechselnden Lichtverhältnissen zeigt.
Valentine Godé-Darel war Hodler wichtiges Modell für zahlreiche Figurenbildnisse, sie war seine Geliebte und wurde Mutter seiner Tochter Paulette. Als sie am 13. Oktober 1913 seine Tochter gebar, war sie bereits an Krebs erkrankt. Sie starb am 25. Januar 1915. Das Zusammentreffen von Geburt, Krankheit und Tod hat Hodler wie kein anderes Ereignis in seinem Leben zeichnend und malend festgehalten und so verarbeitet. Der inzwischen berühmt gewordene Zyklus sorgt nach wie vor für Irritation. Die Frage nach den Beweggründen Hodlers, die zu dieser sehr intimen und schonungslos genau beobachteten Wiedergabe des Zerfalls eines nahestehenden Menschen geführt haben, ist wohl nicht endgültig zu beantworten.
Erstmals seit vielen Jahren bietet sich die Gelegenheit das 446 x 895 cm grosse Gemälde Blick in die Unendlichkeit zu sehen. Ursprünglich war das Werk für das Kunsthaus Zürich als Wandgemälde im Treppenhaus geplant. Es sollte sich jedoch als zu gross herausstellen und fand schliesslich seinen Weg in die Öffentliche Kunstsammlung Basel. Für zwei seiner grossen Themen, die Frau und der Tod, hat Hodler hier ein bestechendes Bild gefunden. Denn die Unendlichkeit war für Hodler eng mit dem Gedanken des Todes verbunden: „Er [der Tod] ist furchtbar und doch schön, weil er das Individuum mit dem Ganzen verbindet, weil er zugleich das Mysterium und das Unendliche ist und weil es ihn gibt.“

















