2013 - 2014

Bäume - Abstraktion benennen 17. Januar – 27. April 2014

Die Fondation Beyeler präsentiert die zweite Calder Gallery, die in Zusammenarbeit mit der Calder Foundation eingerichtet und sich einem weiteren, noch nicht untersuchten Aspekt im Schaffen des Künstlers widmet. Als Alexander Calder 1933 im Zuge der weltpolitischen Lage Paris für seine Heimat Nordamerika verlässt, lässt er sich mit seiner Frau Louisa James dauerhaft in Roxbury, Connecticut, in einem alten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert nieder. Dort entfaltet die Umgebung eine unmittelbare Wirkung auf den Künstler und ein neuer Abschnitt in der Entwicklung seiner Arbeit zeichnet sich ab. Der Aussenraum tritt als zusehends werkbestimmende Komponente in Erscheinung.

Die ersten Mobiles der Pariser Zeit, waren - ganz im Geiste der Künstlergruppierung Abstraction-Création - von geometrischer Prägung und die Bewegung wurde nicht selten mechanisch, das heisst durch kleine Kurbeln oder Motoren erzeugt. In Roxbury sind es nun die Natur, Wind und Wetter, die den Künstler zu neuen Möglichkeiten inspirieren.

Neben der geometrischen Seite wird vermehrt ein surreales Moment und damit einhergehend eine biomorphe Formgebung spürbar. In jener entscheidenden Zeit entstehen erste Aussenskulpturen, entfernt an Turmreiter oder Wetterfahnen erinnernd, die sich diese neuen künstlerischen Möglichkeiten erschliessen und den Ausgangspunkt für die monumentalen Aussenarbeiten der Nachkriegszeit legen.

Die Präsentation in der Fondation Beyeler beginnt mit einer ausgefallenen Gruppe von unterschiedlichen Stabile-Mobiles von 1939, die als ca. 2 m hohe Maquetten für die avantgardistische Umgestaltung des Bronx-Zoo gedacht waren. Dort sollten sie in solider Ausführung und als Monumentalskulpturen eine Art Baumschmuck des afrikanisch anmutenden Raubkatzengeheges abgeben. Das Projekt wurde schliesslich nicht realisiert, belegt aber eindrücklich das zukunftsweisende Potential von Calders künstlerischen Ideen.

Obwohl es sich bei den Werken stets um Abstraktionen im Raum handelt, bezeichnen die gewählten Titel besondere Momente der Bewegung, gestaffelter Formwiederholungen oder ausgeklügelter Gleichgewichtverhältnisse. Die Abstraktion wird hier in greifbarer Form benannt, was an zwei ausgesuchten Einzelwerken erfahrbar wird. Organische Assoziationen bestimmen die formalen Strukturen wie Laubkronen, Ast-Kaskaden, Blatt-Abfolgen. Das freie Spiel der präsentierten Werke im dicht bespielten Innenraum des Museums schliesst sich zu einem regelrechten „Calder-Wald“ zusammen. Die dadurch entstehende Verbindung von Innen- und Aussenraum nimmt auf ein für die Fondation Beyeler wichtiges Thema Bezug, das die Sammlung in einem harmonischen Miteinander von Architektur und Landschaft einbettet.

Eine zweite Werkgruppe beleuchtet schliesslich die Entstehung des Werks Tree in der Sammlung der Fondation Beyeler, mit der ursprünglichen Maquette und formal verwandten Werken und Zwischenstufen. Im Spätherbst wird zudem auch Tree, das monumentale Stabile-Mobile der Sammlung Ernst und Hildy Beyeler an seinen angestammten Platz im Berower Park auf dem Gelände der Fondation Beyeler zurückkehren.

Alexander Calder
Bäume - Abstraktion benennen

Interview mit Oliver Wick (Kurator) und Alexander S. C. Rower (President, Calder Foundation) über die aktuelle Ausstellung.

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