Installationsansicht Fondation Beyeler mit Richard Serra, House of Cards, 1969, Constantin Brancusi Princesse X, 1915/16
Installationsansicht Fondation Beyeler mit Constantin Brancusi, Une Muse, 1912
Installationsansicht Fondation Beyeler mit Richard Serra, Fernando Pessoa, 2007 / 08
CONSTANTIN BRANCUSI & RICHARD SERRA22. Mai - 21. August 2011
Im Jahr 1964/65 begegnete Richard Serra dem Werk von Constantin
Brancusi zum ersten Mal zeichnend. Im Rahmen eines Stipendiums hielt er
sich in Paris auf, wo er täglich im rekonstruierten Atelier des
Künstlers weilte und sich sukzessive mit den Gesetzmässigkeiten von
Brancusis Skulptur auseinandersetzte. Serra war fasziniert von der Art,
wie Brancusi seine skulpturalen Volumen auszeichnete, und wie er in
völlig reduzierter Linienführung räumliche Dimension zu erfassen
vermochte. Damit ist ein biographisches Moment und künstlerisches
Schlüsselerlebnis an den Anfang dieser Ausführungen gestellt, das den
ersten Zugang vereinfachen soll. Der eigentliche Ansatz ist allerdings
viel weiter gefasst. Es erschien uns eine geradezu visuelle
Notwendigkeit, dem Schaffen von Brancusi, das auch für den Beginn
moderner Skulptur steht, eine bedeutende zeitgenössische Position
gegenüberzustellen. Erstaunliche Gemeinsamkeiten, aber auch
spannungsvolle Unterschiede treten im anschaulichen Erlebnis dieser
Ausstellung unmittelbar in Erscheinung.
Folglich begegnen sich
Brancusis und Serras Werke in einem offenen Dialog und sind für sich
genommen auch als zwei konzentrierte Retrospektiven zum Schaffen der
beiden Künstler zu verstehen. Einer exemplarischen Auswahl von rund 40
Skulpturen Brancusis steht ein ausgesuchtes Ensemble von 10 Plastiken
und verschiedenen Arbeiten auf Papier von Serra gegenüber, das in
radikaler Konsequenz für die Entwicklung seiner skulpturalen Idee der
letzten vierzig Jahre steht, wie sie so in der Schweiz noch nie zu sehen
war. Auch von Brancusi ist noch nie eine Retrospektive zu seiner
Skulptur in der Schweiz präsentiert worden.
Die Ausstellung ist thematisch in Werkgruppen unterteilt und entzieht
sich einer rein chronologischen Anordnung. Es ist ein loses Spiel, das
sich durch die Museumsräume erschliesst, mit Momenten, in denen die
Skulpturen in direktem Bezug aufeinander treffen, aber auch mit
Raumfolgen, die jeweils nur dem einen oder anderen Künstler gewidmet
sind, sich aber in ihrem visuellen Erlebnis gegenseitig bedingen.
Serra
äusserte sich kürzlich zu Brancusis Arbeit folgendermassen: „Ich
schaute auf sein Werk wie in ein Handbuch künstlerischer Möglichkeiten“ –
und als eine Summe von Möglichkeiten soll auch der Dialog
dieser Ausstellung verstanden werden.