Monica Studer / Christoph van den Berg

Bergstation 2, 2008, Inkjet-Print auf Fotopapier, 120 x 270 cm, Courtesy Galerie Nicolas Krupp, Basel, © Studer / van den Berg
Installationsansicht, Gleissenhorn Livecam, 2003, Courtesy Galerie Nicolas Krupp, Basel; Hotel Vue des Alpes, 2000 ff.
Wiese, 2006, Screenshot, 30.5 x 40.6 cm, Courtesy Galerie Nicolas Krupp, Basel, © Studer / van den Berg, Basel
Installationsansicht, Wiese, 2005/2010, Courtesy Galerie Nicolas Krupp, Basel; Hotel Vue des Alpes, 2000 ff.
Monica Studer / Christoph van den Berg 8.12.2010 – 21.1.2011

Kern des Schaffens des Künstlerpaares Monica Studer (*1960, Zürich) und Christoph van den Berg (*1962, Basel) ist ihr viel beachtetes, seit 2000 stets weiterentwickeltes Internet-Projekt Hotel Vue des Alpes. Dieses bietet die Möglichkeit, virtuelle Ferien im Internet zu verbringen - aber weit weg von der gewohnten Öffentlichkeit und Kommunikationshektik des WWW, womit die Künstler das Netz als (Nicht)-Ort und das Reisen im Cyberspace neu befragen. Die alpine Landschaft, die wir als registrierter Hotelgast gemächlich von Bild zu Bild erwandern können, erscheint täuschend echt, ist aber rein fiktiv und bei genauerem Hinsehen als digital konstruiert erkennbar. Dennoch ist sie uns wohlvertraut – und unverkennbar in den Schweizer Alpen verortet. Das dabei im Kontrast zum verwendeten Medium etwas altmodisch Anmutende der Bildsprache von Vue des Alpes - Architektur und Design scheinen aus den 1960er/70er Jahren zu sein – hat seinen Ursprung in einem Grundprinzip der Arbeit von Studer / van den Berg: demjenigen der Erinnerung. Bei der Konstruktion der einzelnen, computergenerierten Motive bedienen sich die Künstler nicht fotografischer Vorlagen, sondern ihrer Kindheitserinnerungen an Ferien in den Schweizer Bergen. Real Gesehenes vermischt sich dabei unweigerlich mit Bildern der Kunst sowie der medialen Welt der Ferienprospekte und Plakate, deren Verführungsstrategien sich die Künstler ebenso bedienen, wie sie sie aufdecken. Studer / van den Berg thematisieren dabei auf lustvoll spielerische Weise sowohl die Natur unserer Wahrnehmung als auch die Medialisierung unserer Sehgewohnheiten und befragen zugleich kritisch die verwendeten Medien.

Die Installation in der Fondation Beyeler vereint neben den Offline-Stationen des Hotels zwei weitere eigenständige Werke und eine site-spezifische installative Arbeit, die alle mit Vue des Alpes verbunden sind. Beim Werk Gleissenhorn Livecam (2003), welches die heute gängigste Form des Panoramas aufnimmt, kann sich der Betrachter sozusagen in „Echtzeit“ über die Wetterlage am Gleissenhorn (der Bergstation von Vue des Alpes) informieren – sei es jetzt, in 5 Tagen oder vor 100 Jahren. Tausende verschiedene, computergenerierte Wetterstimmungen werden dabei zusammengemischt, und alle zehn Minuten wird die Wettersituation neu abgebildet. Ganz ähnlich ist dieses Funktionsprinzip bei der 3DAnimation Wiese (2005/2010), die hier in einer neuen, angepassten Version zu sehen ist: das computergenerierte Inventar von Pflanzen, Gräsern, Hölzchen, etc. wird stets neu und zufällig kombiniert. Im Gegensatz zum Weitblick der Gleissenhorn Livecam werden wir beim unendlichen Überflug der idyllischen Wiese den Blick jedoch nie heben können. Dafür mag uns die Besteigung des eigens für die Installation in der Fondation Beyeler kreierten Felsens, der erstmals als rein geometrische Form empfunden und ohne illusionistische Oberfläche gestaltet ist, den Überblick wieder verschaffen.

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Claude Monet, Nymphéas, 1916 - 1919

Werke der Sammlung Beyeler.

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