Ernst Beyeler

Ernst und Hildy Beyeler Foto: Kurt Wyss
Ernst und Hildy Beyeler. Die Grösse der Einfachheit

Im Leben von Ernst und Hildy Beyeler weist anfangs nichts auf die herausragende Karriere als Kunsthändler hin. Eher zufällig landete Ernst Beyeler als Student bei Oskar Schloss und dessen Kunst- und Buchantiquariat "La Librairie du Château d’Art" an der Bäumleingasse 9 in Basel. Er hätte sich damals wohl nicht erträumt, dass diese Adresse Sitz der Galerie Beyeler sein würde, bis sie 2012 geschlossen wurde. Oskar Schloss gehörte zu den Pionieren von Verlegern buddhistischer Texte. Noch rechtzeitig konnte er aus Nazi-Deutschland in die Schweiz fliehen, wo er - um sein gesamtes Vermögen beraubt - seine alten Tage mit einem kleinen Buchantiquariat zu bestreiten wusste. Für Ernst Beyeler waren diese Lehrjahre prägend, denn Oskar Schloss führte seine Angestellten bei abendlichen Gesprächen in Literatur, Philosophie und Kunst ein. Nach dem überraschenden Tod seines Arbeitgebers konnte Ernst Beyeler 1945 das verschuldete Geschäft mit einer finanziellen Starthilfe seiner zukünftigen Frau Hildy Kunz übernehmen und weiterführen. Die alten Bücher und der Kräfte bindende Handel damit waren auf Dauer jedoch nicht Sache des jungen Beyeler. So erstaunt nicht, dass graphische Blätter, wie etwa Lithographien von Honoré Daumier, Henri de Toulouse-Lautrec oder japanische Farbholzschnitte, immer mehr in den Vordergrund rückten. 1947 wurde dem übernommenen Geschäftsnamen „Ernst Beyeler“ beigefügt und 1952 erfolgte die Namensänderung zur  „Galerie Beyeler“. Der Grundstein zu einer einzigartigen Karriere war gelegt. Aus jenen antiquarischen Anfangsjahren ist aber eines geblieben: die Freude an schön gestalteten Katalogen.


Ernst Beyeler mit Jean Tinguely und Martin Schwander 1984

Beeindruckend ist, mit welcher Konsequenz das Geschäft ausgebaut wurde. Anfänglich, und sicher auch unter dem Eindruck des Kunsthistorikers und Museumsmanns Georg Schmidt, war die Galerie Beyeler klar auf die deutsche Kunst ausgerichtet. Die wichtigsten Maler des Expressionissmus, aber auch Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Alexej von Jawlenskiy waren bei Beyeler gut vertreten, ergänzt durch französische Meistergraphik des 19. und 20. Jh. Auch zeitgenössische und lokale, zum Teil befreundete Künstler, gehörten von Beginn an zum Programm. 1952 und 1953 folgten mit „Bilder des 20. Jahrhunderts“ und „Tableaux français“ erste, noch kleine Kataloghefte, die ganz in der Tradition graphischer Bestandeskataloge standen. Die Auswahl sowie die künstlerische Qualität setzten einen Massstab, der keine Kompromisse duldete. Kühn wollte man gleich in der obersten Liga mitspielen und folgte gezielt den eigenen Überzeugungen. Kunst sollte Bestand haben, sollte immer auf das Neue begeistern, musste sich auch über einen längeren Zeitraum bewähren. Eine Vorliebe für das nicht allzu Gängige oder leicht Gefällige, für schwierige Bilder war schon früh zu erkennen. Die 50er Jahre waren durch den zielstrebigen Ausbau der Kunsthandlung geprägt, wobei die französische Peinture immer mehr den Ton angab. Der Handel mit Kunstwerken basierte auf einer einfachen Faustregel: Für jedes verkaufte Werk, werden zwei neue angekauft. Ernst Beyeler begann vermehrt zu reisen. München, Stuttgart, Köln, und Paris waren seine wichtigsten Destinationen. Die Londoner Auktionen wurden mit steigender Regelmässigkeit besucht. Hildy Beyeler wachte in Basel über die Finanzen und führte den kleinen Mitarbeiterstab. Gegen Ende der 50er Jahre war die Adresse an der Bäumleingasse längst kein Geheimtipp mehr. Neben der lokalen Kundschaft machten immer mehr Amerikaner von Paris aus einen Abstecher zu den vielversprechenden Sommerausstellungen in der Galerie. Insbesondere die Katalogreihe "Maîtres de l’art moderne (1955-1958)" legt darüber Zeugnis ab.


Ernst Beyeler an der Art Basel 7, 1976

So begegnete Ernst Beyeler auch G. David Thompson aus Pittsburgh, der zuerst als Kunde, später als Verkäufer seiner legendären Sammlung moderner Kunst auftrat. Das gut eingeführte Unternehmen erlangte über Nacht Weltruhm, und Nordamerika wurde zum erweiterten Geschäftsgebiet. Grund dafür war G. David Thompson, der als notorisch unberechenbarer Sammler galt, und deshalb in der Kunstszene grosse Aufmerksamkeit genoss. Der Respekt der namhaften New Yorker Galerien war Ernst Beyeler deshalb sicher. Mit dem Verkauf von ganzen Werkblöcken aus der Thompson-Sammlung an Museen, machte sich Ernst Beyeler einen Namen, dessen Prestige fortan sämtliche Türen öffnen sollte. Grosse Beachtung fand die Platzierung von Klee-Werken in Düsseldorf, oder der Giacometti-Skulpturen in die eigens dafür gegründete Giacometti-Stiftung in Zürich. Lange bevor sich eine eigene Sammlung abzuzeichnen begann, trat somit eine weitere Facette des Kunsthändlers Beyeler als Museumsmann hervor.
Ernst Beyeler wurde zu einem Freund der Museen, denen er viele Ankäufe vermittelte. Später regte er ganze Ausstellungen an und unterstützte diese tatkräftig.


Ernst Beyeler im Wintergarten der Fondation Beyeler

Doch all dieser Ruhm liess ihn die bescheidenen Anfänge nie vergessen. Das Wichtigste war und blieb die fordernde Qualität eines Kunstwerks. Diese Liebe teilte er grosszügig mit seinen Kunden, Besuchern und später mit seinen Museumsmitarbeitern. Dabei blieb der Blick auf das Wesentliche, auf die Natur, das innere Gleichgewicht, auf politische und ökologische Aspekte nie verstellt. Alles Laute und Umtriebige sucht man vergebens in den Räumen an der Bäumleingasse, die in ihrer mittelalterlichen Bescheidenheit, der Kunst immer den Vortritt liessen.

Auch der lichte Museumsbau von Renzo Piano führt wie ein sommerlicher Pavillon das einfache, direkte, aber immer wieder beglückende Erlebnis von Kunst im Einklang mit der Natur vor Augen. Dies gilt als die wichtigste Hinterlassenschaft von Ernst und Hildy Beyeler, jenseits aller materiellen Werte, und sie wird täglich in der Begeisterung der Besucher der Fondation Beyeler erneuert.

Sammlung
Claude Monet, Nymphéas, 1916 - 1919

Werke der Sammlung Beyeler.

Impressionen
Impressionen

Impressionen in und um die Fondation Beyeler.

Vergangene Ausstellungen seit 1997
Henri Rousseau, Le liont ayant faim se jette sur l’antilope, 1905

Henri Rousseau, Le liont ayant faim se jette sur l’antilope, 1905.

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